Alte Kfz-Kennzeichen: Weiß auf Schwarz ist Kult.  Die schwarzen Taferln sind noch nicht eingemottet. Viele Besitzer halten an den alten Traditionen fest. 

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 06. August 2019 (04:23)
Friedrich Reiner
Maria und Johann Aigner aus Mörenz sind stolz auf ihren Oldtimer-Traktor. Und dazu gehören einfach die „Nostalgie-Taferln“.

Seit rund 30 Jahren gibt es in Österreich weiße Kfz-Kennzeichen. Der Einführung im Jahr 1990 (offizielles Datum) war eine heftige öffentliche Diskussion vorausgegangen. Der damalige Verkehrsminister Rudolf Streicher (SPÖ) und Friedensreich Hundertwasser waren die beiden größten Hauptkontrahenten. Um den „Taferl-Streit“ zu beenden, folgte schließlich ein Expertenhearing im Parlament, ein darauf erstelltes Gutachten gab schließlich den Ausschlag zugunsten der neuen, weißen Nummerntafeln.

„Die Taferln gehören einfach zum Auto. Ich hoffe, das sieht die nächste Generation genauso“ Christian Arzberger, Kommandant der Silberhelme Artstetten

Und jetzt, rund drei Jahrzehnte später, sind im Bezirk noch immer 2.360 Fahrzeuge mit den schwarzen alten Kennzeichen unterwegs. Laut dem Österreichischen Versicherungsverband befindet sich der Großteil der Taferln auf Anhängern, danach folgen Sonderkraftwagen, Mopeds und Pkw.

Viele schwarze Kennzeichen sind auf Feuerwehrautos zu finden. Für die Wehren stehen sie für Tradition und die alten Zeiten. Christian Arzberger, Kommandant der Silberhelme Artstetten, ist stolz auf seinen Land Rover: „Er ist das Tafelsilber unserer Wehr.“ Das Fahrzeug feiert seinen 50. Geburtstag und auf einen Austausch der Kennzeichen wird bewusst verzichtet.

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Damals wie heute: Die schwarzen Kennzeichen sind auch 30 Jahre nach der Umstellung immer noch Kult

„Die Taferln gehören einfach zum Auto. Ich hoffe, das sieht die nächste Generation genauso“, erklärt er melancholisch. So wie er sehen es viele seiner Feuerwehr-Kollegen, die alle noch im Besitz von solchen Raritäten sind. Braunegg, Raxendorf und Würnsdorf behalten sich auch ihre „Nostalgie-Taferln“. Die Feuerwehr Schollach hat ihr Tanklöschfahrzeug ebenfalls noch mit schwarzen Nummerntafeln im Einsatz. „Der Wagen ist einfach Kult. Und bleibt genau so erhalten, bis er den Geist aufgibt“, bestätigt Reinhard Hiesberger, Kommandant der Schollacher Wehr. 

Bei Autos sieht die Lage mittlerweile schon anders aus. Nur mehr vereinzelt sind welche mit den alten Nummern zu finden, da bei einer Ummeldung oder Neuanmeldung die neuen Kennzeichen ausgegeben werden. Vor allem zahlreiche Oldtimer schmücken sich dem Alter entsprechend mit den schwarzen Taferln.

„Nostalgie-Taferln“ als Statussymbol

In landwirtschaftlichen Kreisen sind die Kennzeichen auch noch weit verbreitet. Johann Aigner aus Mörenz (Weiten) hat auf seinem alten Trecker die nach wie vor erlaubten Schilder. „Ich bin stolz auf meinen Steyr-Traktor aus dem Jahr 1985“, erzählt er.

Das Schmuckstück wird auch sehr gepflegt. „Ich bin mit ihm auch auf Oldtimertreffen unterwegs. Da muss er ja glänzen“, lächelt Aigner. Die „Visitenkarte der Nation“, so wie die Taferln früher bezeichnet wurden, wird weiterhin nach außen getragen. Wie die Zahlen der zugelassenen Fahrzeuge beweisen, waren die Befürchtungen von Hundertwasser fast umsonst.