Bilanz: Lichtblicke für Tourismus. Wie lief der „Corona-Sommer“ für die Tourismusbetriebe quer durch den Bezirk Melk? Die NÖN fragte nach.

Von Markus Glück, Michael Bouda und Denise Schweiger. Erstellt am 16. September 2020 (04:24)

Düster sah es im Frühjahr aus. Bei Lockdown, Schutzmaßnahmen und Reisebeschränkungen kam wohl bei keinem Touristiker Optimismus für die anstehende Sommersaison 2020 auf. Jetzt neigt sich der „Corona-Sommer“ dem Ende zu – und mancherorts fällt die Bilanz besser aus, als gedacht.

Regelrecht kurios gestaltet sich die Situation in Ybbs: In der einwohnerstärksten Stadt im Bezirk rechnet SP-Bürgermeister Alois Schroll mit einem neuen Tourismusrekord. Das bisherige Maximum liegt bei 12.892 Nächtigungen aus der Bilanz des Vorjahres. 2020 geht man von einer Steigerung auf bis zu 14.000 Nächtigungen aus. Der Grund für die steigenden Zahlen ist rasch gefunden: Im Sommer 2019 sperrte mit der Donaulodge das erste Hotel in der Stadt auf, seither steigen auch die Tourismuszahlen. Ein Umstand, der auch die Eigentümerfamilie Gruber-Rosenberger freut: „Wir haben einen tollen Sommer mit vielen Langzeitaufenthalten von bis zu zwölf Tagen gehabt.“ Angesichts des bisher herausfordernden Jahres will Karin Gruber-Rosenberger aber keine Prognose abgegeben. „Es ist unser erstes Jahr und der Geschäftsverlauf war kein normaler, es fehlen uns zwei Monate. Wenn es im Herbst aber so wie im Sommer bleibt, sind wir zufrieden. Bisher sind auch viele Seminare gebucht.“

Sattes Minus für Stadt und Stift Melk

Ein Blick in Richtung Bezirkshauptstadt. Die Tourismushochburg Melk verzeichnet einen Verlust von 20.000 Nächtigungen (2019: 79.000 Nächtigungen) bis Ende Juli. Insgesamt gab es in den ersten sieben Monaten des Jahres rund 25.000 Nächtigungen. Für August liegen die genauen Zahlen nicht vor, VP-Bürgermeister Patrick Strobl geht aber von einem Minus von zehn Prozent aus. „Die Zahlen sind aber weniger schlimm als befürchtet.“

Besonders drastisch sind die Verluste im Melker Stift. Normalerweise besichtigen mehr als 550.000 Touristen pro Jahr die barocken Gemäuer, heuer rechnen die Verantwortlichen mit einem Rückgang von zumindest 85 Prozent, damit nur mit rund 80.000 Touristen. Grund dafür ist der fehlende Schiffs- und Bustourismus, der Verlust beträgt zumindest fünf Millionen Euro. „Wir haben daher alle nicht notwendigen Sanierungsmaßnahmen abgesagt und planen mit einem sehr konservativen Budget für 2021“, hofft Wirtschaftsdirektor Karl Edelhauser auf baldige Besserung.

Bei der Burgruine Aggstein blickt man zwiespältig auf die vergangenen Monate zurück. Einerseits bedeutete die Schließung vom eigentlich geplanten Eröffnungstermin Mitte März bis zur Öffnung Mitte Mai herbe Verluste. Zudem blieben danach große Gruppen Busreisender vor allem aus dem Ausland aus. Und auch Hochzeiten, die normalerweise jedes Wochenende im Rittersaal stattfinden, wurden fast zur Gänze abgesagt oder verschoben. Andererseits gab es in anderen Bereichen ein deutliches Plus, wie Pressesprecherin Christine Jäger erklärt: „Wir haben natürlich enorme Verluste, aber der Tagestourismus hat floriert, weil die Menschen großteils in Österreich geblieben sind. Deshalb waren wir grundsätzlich sehr gut gebucht – es hätte auch schlimmer kommen können.“ Zudem sei das Escape-Room-Spiel besonders gut angekommen.

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