Brexit: Horror für Bauern?. Bauernbund-Präsident Georg Strasser fürchtet bei „Hard-Brexit“ massive Nachteile für Landwirte. Preis- und Mengendruck bei Milch- und Fleischprodukten wäre enorm.

Von Markus Glück. Erstellt am 06. März 2019 (04:00)
Leitner
Georg Strasser, im Gespräch mit Brexit-Chefverhandler Michel Barnier, ist im ständigen Austausch mit dem Verhandlungsteam, um die Auswirkungen auf die Landwirte abzuschätzen.

„Deal or no Deal“ ist derzeit die Frage bei den Verhandlungen um den Ausstieg von Großbritannien aus der EU – Stichwort Brexit. Die Uhr tickt, denn mit 29. März sollen die Briten aus der EU aussteigen, das Ausstiegsszenario ist aber nach wie vor offen.

Während im Moment über eine Verschiebung des Brexit gesprochen wird, fürchten andere einen „Hard-Brexit“, dessen Folgen, auch für die Landwirtschaft, dramatisch wären. Um die aktuelle Lage und die Konsequenzen für die bäuerlichen Betriebe zu besprechen, traf Bauernbundpräsident Georg Strasser aus Nöchling EU-Chefverhandler Michel Barnier. „Für den Agrarhandel wäre ein unkontrollierter Ausstieg eine mittlere Katastrophe“, erklärt Strasser. Da Großbritannien bei Agrarprodukten und Lebensmitteln lediglich eine Selbstversorgungsrate von 60 Prozent hat, sind die Briten massiv auf Lieferungen aus dem EU-Binnenmarkt angewiesen.

Bezirk mit Milch und Fleischwaren betroffen

Der Bezirk Melk wäre laut Strasser besonders im Bereich Fleischwirtschaft – im Süden verfügt der Bezirk über zahlreiche Schwein-, im Norden über Rinderbetriebe – und Milchwirtschaft betroffen. „Es würde ein unheimlicher Preis- und Mengendruck für die Landwirte entstehen. Die Preise müssten gesenkt werden, um mit den großen Mengen überhaupt konkurrieren zu können. Gerade der Milchmarkt ist aber ohnehin permanent unter Druck“, fürchtet der Bauernbund-Präsident.

Um die Auswirkungen abzuschätzen, ist der Nöchlinger auch im ständigen Austausch mit dem Österreicher Gregor Schusterschitz, der den Brexit mitverhandelt. „Ich tausche mich aus und versuche, auch mitzuwirken. Mit dem Chaos in Großbritannien ist aber ein Ausgang derzeit nicht vorhersehbar“, hofft Strasser auf eine vernünftige Lösung für die heimische Landwirtschaft.