Corona-Advent: Nikolaus auf Distanz. Social Distancing heißt es am 6. Dezember: Videobotschaften und Brieflein.

Von Christina Brandstetter. Erstellt am 02. Dezember 2020 (04:09)
Franz Gleiß

In festlicher Robe, mit goldenem Stab, groß und mit vollem Bart – so kennt man den Nikolaus aus den Kindheitstagen. Als Einstimmung in den Advent besucht der Heilige alljährlich am 6. Dezember die Kinder aus der Region. Den Nikolo trifft man entweder im Kindergarten, in der Schule, in der Kirche, am Adventmarkt oder zu Hause. Was passiert mit der Tradition, wenn Bildungseinrichtungen zugesperrt, Ad ventmärkte abgesagt sind und Ausgangsbeschränkungen herrschen?

Man hatte angenommen, der Nikolaus setzt dieses Jahr einfach aus. Das ist aber nicht der Fall. Wie die Regierung mitteilte, sei es erlaubt, den Kindern als Nikolaus eine Freude zu bereiten. Aber: bis zur Türschwelle und nicht weiter. Die Corona-Maßnahmen rütteln recht stark an so einigen Traditionen. Viele Organisationen und Vereine wollen sich den Nikolaus aber auch dieses Jahr nicht nehmen lassen.

Für Willi Heinzl ist 2020 das 50. Jahr als Nikolaus. Er besucht Kinder zu Hause, trat bisher beim Melker Advent auf und geht in seiner Rolle richtig auf. „Für die Kinder ist es jedes Mal ein Erlebnis, den Nikolaus zu sehen. Das erkennt man an ihren strahlenden Augen“, berichtet Heinzl. Der 69-Jährige erzählt: „Ich bin heuer schon in mein Kostüm geschlüpft. Wir haben Videos aufgenommen und Fotos geschossen. Der Nikolaus wird dieses Jahr digital.“ Eltern können sich demnach ein Video downloaden. Das gibt es dann auf verschiedenen Plattformen der Gemeinde Melk: App, Homepage und sogar Youtube. Die Kinder bekommen eine digitale Nachricht und finden dann ein Säckchen vor der Tür oder eben im Stiefel, der von den Eltern vorher platziert wurde. Heinzl hält das für eine tolle Lösung, denn „jeder Kontakt ist eine Gefahr. Wir müssen uns strikt an die Maßnahmen halten. Private Besuche würde ich in dieser Saison sowieso ablehnen.“ Willi Heinzl besuchte jedes Jahr auch das Kinderturnen der Sport Union Melk. Geplant wäre es gewesen, outdoor zu turnen und möglicherweise auch draußen den Nikolaus zu treffen. Gerade als das Outdoor-Konzept fertig war, wurden die Ausgangsbeschränkungen noch enger geschnürt, berichtet Obmann Gerhard Schuberth. Hier muss der Nikolo also bis nächstes Jahr warten.

Vielerorts gibt es statt eines „Stamm-Nikolaus“ die Landjugend, die die Kinder am 6. Dezember besucht. Da hat man an verschiedenen Konzepten, wie man die Tradition corona-sicher gestalten kann, gearbeitet. Die Variante mit Videobotschaft ist auch bei der Landjugend eine Möglichkeit. Weiters könnte sich der Nikolaus verspätet haben und einfach ein paar Tage später kommen. Oder es werden Nikolo-Säckchen in der Kirche abgestellt, welche sich die Kinder dann mit den Eltern abholen können. Ein Zoom-Meeting steht ebenso im Raum. Julia Wagner von der Landjugend erzählt: „Uns war es wichtig, den Kindern eine Freude zu bereiten. Die Ideen, die wir gesammelt haben, sind alle gut angenommen worden. Die Videobotschaft gefällt den meistem am besten.“

Wenn es kein Corona-Virus gäbe, würde ein großer Bursch den Nikolaus spielen und die Kinder zu Hause überraschen. In den ländlichen Regionen sei die Landjugend da sehr gefragt, wenn es um Nikolaus-Besuche geht. Bei der Landjugend Gruppe Petzenkirchen Bergland hat man sich für persönliche Briefe als Nikolaus-Botschaft entschieden. Iris Buchberger freut sich über den Andrang. „Auf Facebook haben sich schon eine Menge Eltern bei uns gemeldet. Wir haben viele Briefe zu schreiben“, lacht sie.

Das Rote Kreuz ist bei den alljährlichen Aktionen ebenso vertreten. In Blindenmarkt gibt es bis zu 140 Anmeldungen. Ortsstellenleiter Bernhard Kogler ärgert sich über die kurzfristige Meldung der Regierung. „Wir hatten den Nikolo schon abgehakt. Jetzt gibt die Regierung doch das Okay. So schnell etwas zu organisieren ist schwierig. Hoffentlich sieht die Lage nächstes Jahr besser aus.“

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