Eine Pfarrhomepage macht Stimmung. Johann Hollaus benutzt Hürmer Pfarrhomepage erneut als Plattform zur Meinungsbildung. Pfarre distanziert sich.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 24. August 2017 (05:00)
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Lange war es ruhig um die Hürmer Pfarrhomepage, jetzt ist Johann Hollaus wieder online und aktiv. Vor einem Jahr sorgte sein Vergleich der Bundespräsidentschaftskandidaten auf der Website für Aufregung: Hollaus nutzte die Rubrik „Kommentar der Woche“ der Pfarrhomepage, um politisch Stimmung zu machen (die NÖN berichtete).

Von den pro-freiheitlichen Beiträgen distanzierte sich damals die Pfarre und entschloss sich kurzerhand, eine neue Homepage einzurichten. Obwohl die Website den Namen www.pfarre-huerm.at trägt, hat Hollaus (immer noch) als Domainbesitzer alle Rechte.

„Wir könnten zwar ein zivilrechtliches Verfahren einleiten, aber ob sich Kosten und der Zeitaufwand rechnen, ist fraglich. Herrn Hollaus nimmt ohnehin niemand ernst“, schilderte Markus Michael Riccabona von der Diözese St. Pölten die Situation. Das sieht Webmaster Hollaus hingegen ganz anders: „Die Leute aus der Region sind dankbar für meine Postings. Sie lesen sie gerne – und das beweisen auch die Zugriffszahlen.“ Konkrete Zahlen nennt Hollaus allerdings nicht.

„Politisch korrekt ist das vielleicht nicht, aber das ist auch nicht meine Aufgabe. Das ist das Informationsangebot für meine Leser.“Johann Hollaus

Vor einem Jahr schrieb der Domainbesitzer selbst die Artikel, das hat sich geändert: „Nach meinem Beitrag zur Bundespräsidentschaftswahl kam viel Kritik, vor allem von der linken Seite. Die Mühe tu‘ ich mir nicht mehr an.“ Jetzt sammelt er Blogeinträge und Postings anderer Leute, die seiner Meinung entsprechen.

Er fügt im NÖN-Gespräch hinzu: „Politisch korrekt ist das vielleicht nicht, aber das ist auch nicht meine Aufgabe. Das ist das Informationsangebot für meine Leser.“

"Website ist schlichtweg grenzwertig"

Rechtsanwalt Gerhard Taufner aus Melk nimmt die Homepage unter die Lupe: „Diese Website ist schlichtweg grenzwertig. Die Pfarre Hürm könnte rechtlich gesehen die Domain löschen lassen.“ Rassistische Vorfälle im Internet sind keine Seltenheit. Das zeigt die Statistik der Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit: Im Jahr 2016 wurden 1.107 Vorfälle gemeldet, 31 Prozent davon im Web. Wer im Internet Hasskommentare postet und zur Gewalt aufruft, macht sich wegen Verhetzung strafbar. Das ist kein Kavaliersdelikt: Es drohen Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren.