Fasten in der Zeit des Verzichts. Die Pandemie macht auch vor der Fastenzeit keinen Halt – was bedeutet Fasten in Zeiten der Corona-Beschränkungen?

Von Denise Schweiger, Lisa Schinagl, Zaklina Jukic und Leopold Kogler. Erstellt am 17. Februar 2021 (05:42)

Corona-bedingt muss man aktuell auf vieles verzichten. Nun steht die Fastenzeit vor Ostern an: Ab Mittwoch üben sich Gläubige 40 Tage im Verzicht – auch in Pandemiezeiten. Populäre Vorsätze für die Fastenzeit sind etwa das Weglassen von Alkohol, Süßigkeiten, Fleisch oder Zigaretten.

„Das traditionelle Fasten ist immer präsent“

Diätologin und Mitgründerin der Krummnußbaumer „Ernährerei“, ein Unternehmen für ernährungsmedizinische Beratung und Therapie, Sandra Seitner, stellt fest: „Das traditionelle Fasten ist immer präsent“. Detoxen, Intervallfasten oder Entschlacken seien das ganze Jahr über populär. Wer Mahlzeiten nicht zur Gänze streichen möchte, könne sich alternativer Fastenformen bedienen, wie etwa das Reduzieren von Haushaltszucker.

Aus Sicht der Diätologin führt radikales Fasten kaum zum gewünschten Erfolg, jedoch zum Muskelabbau und dem gehassten „Jojo-Effekt“. Strikte Verbote seien überdies Anlass für Heißhungerattacken – für sie gilt daher: „Wenn ich auf etwas verzichte, habe ich im Endeffekt mehr Gusto, etwa auf Krapfen. Und den sollte ich auch genießen dürfen“.

Wenn die Motivation in der Fastenzeit nachlässt, hat Seitner aufmunternde Ideen parat. In „grauen Zeiten“ könne etwa eine Portion Gemüse pro Mahlzeit und eine ausgewogene Ernährung „wahre Wunder“ wirken. „Ein bunter Teller stärkt nicht nur das Immunsystem, sondern tut auch der Seele gut“, verrät die Diätologin.

Promis setzen sich unterschiedliche Ziele

Die NÖN fragte auch bei Promis im Bezirk nach, welche Gewohnheiten sie bis zum Karfreitag auslassen. Schauspielerin Ursula Strauss aus Pöchlarn freut sich auf die kommenden Wochen. „Die Fastenzeit ist eine Zeit, in der wir durch das Auslassen unsere eigene Fülle nach der Winterruhe wieder besser fühlen können. Das ist die Vorbereitung auf den Frühling“, sagt sie. Es gehe ihr darum, zur Ruhe zu kommen. „Wir entschlacken unser Getriebe, damit unser Motor geschmeidiger laufen kann“, ist Strauss überzeugt.

Für Pfarrer Athanasisus Wedon ist es mittlerweile das siebte Jahr in der Pfarre Artstetten. „Ich ziehe die Fastenzeit wie jedes Jahr durch. Ich sehe das als Chance zur Wegkorrektur.“ Er rät dazu, die österliche Bußzeit zu nutzen, um eine Wegänderung vorzunehmen und an den eigenen Charakterschwächen zu arbeiten. Die alljährliche Fastenwürfel-Aktion startet mit Aschermittwoch.

Für Michael Garschall, Intendant der Blindenmarkter Herbsttage, ist die Fastenzeit nicht nur mit Verzichten verbunden: „Die Fastenzeit ist für mich vor allem eine Lebenseinstellung: ein Rückzug, ein Loslassen und damit verbunden eine Übung in Selbstdisziplin.“ Er halte sich dabei an die christliche Ansicht. „Faste, aber lass‘ es die anderen nicht merken. Denn schließlich soll das Ganze ja nicht zur Alibi-Aktion vor anderen verkommen“, ist der Intendant überzeugt.

Thomas Stöckl, der „singende Landwirt“ aus Krummnußbaum, vermisst zwar die Faschingsveranstaltungen vor der Fastenzeit – an seinen Plänen für die kommenden 40 Tage ändert Corona aber nichts. „Ich werde auf meine Gesundheit achten und mir selbst etwas Gutes tun“, sagt er.

Außerdem biete die Fastenzeit für Stöckl einen Grund, etwas weniger in Richtung Smartphone zu greifen. „Entgiften“ von der übermäßigen Social-Media-Nutzung, bekannt unter „Social Media Detox“, wird von vielen als Vorsatz herangezogen. Der Krummnußbaumer spricht sich für diese „neue“ Form des Verzichts aus: „Man glaubt gar nicht, wie viel Zeit man mit den sozialen Medien verplempert.“

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