Frauen verdienen um 917 Euro weniger. Verdienst von Männern und Frauen im Bezirk am drittweitesten auseinander. Medianeinkommen liegt bei 1.940 Euro.

Von Jutta Streimelweger. Erstellt am 12. Dezember 2017 (04:50)
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Symbolbild

Die Hälfte der Arbeitnehmer im Bezirk Melk verdient im Monat mehr als 1.940 Euro. Das ergab die kürzlich veröffentlichte Arbeiterkammer-Einkommensanalyse für das Jahr 2016. 2015 waren es noch 1.911 Euro.

Dennoch: Das Brutto-Medianeinkommen in der Region liegt trotz Steigerung um 137 Euro (6,6 Prozent) unter dem NÖ-Niveau. Dieses beträgt nämlich 2.077, in ganz Österreich liegt das Medianeinkommen sogar bei 2.160 Euro.

Bezirk Melk auf Rang 16 in NÖ

Unter den 25 niederösterreichischen Bezirken ist Melk auf Rang 16, Nachbarbezirke wie Amstetten oder Scheibbs finden sich in den Top-5 wieder. Woher dieser Unterschied kommt, wollte die NÖN von Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Peter Reiter wissen. „In den best- platzierten Bezirken ist die industrielle Produktion – vorwiegend in der Metallindustrie – mit mehr als 10.000 Arbeitsplätzen seit Jahren gefestigt und mit einem kollektivvertraglichen Mindestlohn ohne Zulagen von 1.792 brutto hervorragend abgesichert“, erklärt Reiter.

Arbeiterkammer Niederösterreich; Foto: pogonici/shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Anders sehe die Situation im Bezirk Melk aus. „Die industrielle Produktion ist hier wesentlich geringer und befeuert nur im geringen Ausmaß die Einkommenssituation.“ Wesentlich geprägt werde der Bezirk vom Klein- und Mittelgewerbe. „Vor allem der Dienstleistungssektor – speziell im Hotel- und Gastgewerbe – mit vielen Teilzeitbeschäftigungen überwiegt.“

„Im Handel und in der Gastronomie wären Mindestlöhne von 1.700 Euro brutto ein wesentlicher Ansatzpunkt.“Peter Reiter, AK-Bezirksstellenleiter

Hier liegt der Mindestlohn auf Basis einer Vollzeitbeschäftigung bei nur 1.420 Euro. Aufgrund von vermehrter Teilzeitarbeit sinkt auch das Einkommensniveau der Angestellten. Hier beträgt die Lücke zum NÖ-Einkommen 13,9 Prozent. „Im Handel und der Gastronomie wären Mindestlöhne von 1.700 Euro brutto ein wesentlicher Ansatzpunkt, um das Einkommensniveau zu verbessern“, ist sich Reiter sicher.

Dritthöchste geschlechterspezifische Einkommensschere

Gerade im Gastgewerbe und als Teilzeitkraft arbeiten viele Frauen. In der Gastronomie sind es um 58 Prozent mehr als im NÖ-Schnitt. Zudem verdienen Frauen im Bezirk Melk um 39,5 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Damit hat der Bezirk Melk die dritthöchste geschlechterspezifische Einkommensschere im ganzen Bundesland. „Es ist es wichtig, Familie und Beruf vereinbar zu machen“, betont der AK-Bezirksstellenleiter.

Generell sei die Entwicklung im Bezirk Melk aber positiv: „In den letzten sechs Jahren verbesserte sich der Bezirk Melk von der 19. Stelle auf Platz 16. Seit 2011 konnte das Medianeinkommen real um 248 Euro gesteigert werden.“