Funktionärswesen: Der große Aufwand und der Dank dafür

Erstellt am 05. Juli 2022 | 20:00
Lesezeit: 4 Min
Funktionäre halten die Vereine am Leben. Die Zeit ist der bestimmende Faktor. Die Tätigkeit gibt aber auch viel zurück.
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„Mein Herz ist blau-gelb“, lacht Anna Scheuchelbauer. Und das verraten alleine schon die nackten Zahlen: Seit über 40 Jahren ist Scheuchelbauer als Funktionärin beim SV Petzenkirchen tätig, seit 2011 steht sie dem Verein als Präsidentin vor.

Scheuchelbauer ist damit ein Paradebeispiel für jene Funktionärinnen und Funktionäre, die immer weniger werden. Motivation hat die 71-Jährige zur Genüge, die braucht sie aber auch, denn die Aufgaben, die sie erledigt, sind vielfältig und zeitaufwendig. Von putzen, Personal auftreiben und einteilen über einkaufen bis zur Ausschank gibt es fast nichts, was sie nicht macht oder schon einmal gemacht hat. Der Dank dafür: „Am meisten freue ich mich wirklich über die Anerkennung, den Respekt und die lobenden Worte von der Mannschaft. Es freut mich wirklich sehr, wie sie meine Arbeit honorieren“, erklärt sie.

Das Lob reicht ihr, um weiterzumachen und einfach immer mit dabei zu sein. „Ich bin mit dem Verein schon sehr verbunden und über 40 Jahre dabei.“ In der letzten Zeit gab es wohl kaum ein Spiel, das sie einmal verpasst. Egal ob Sommer oder Winter. „Ich bin zum Verein gekommen, als mein Sohn begonnen hat, Fußball zu spielen, und seitdem bin ich immer mit dabei. So lange es geht, werde ich meine Funktion weiterführen. Der Fußballverein und der Fußballplatz sind einfach mein Leben.“

Doch auch Scheuchelbauer, im Bezirk sicher einer der längstdienenden Funktionäre, weiß, dass es nicht viele von ihrer Sorte gibt: „Es ist einfach viel zu tun und sehr viel Arbeit. Da findet man immer weniger und der eine oder andere glaubt vielleicht auch gar nicht, wie viel wirklich dahintersteht.“

Engagement im Verein? Ganz oder gar nicht

In dieselbe Kerbe schlägt Alfred Konrad, seit seinen Jugendjahren Funktionär, zuerst in seiner Heimat beim SV Jauerling, seit 2015 als Sportlicher Leiter beim SC Melk. „Wenn du eine Funktion ordentlich ausübst, bist du einfach ‚angehängt‘“, verweist er beispielsweise darauf, nicht nur die „üblichen“ Aufgaben eines Sportlichen Leiters zu erfüllen, sondern auch in der Kantine auszuhelfen oder beim Ausmalen der Kabinen anzupacken. Beim „Länderspiel“ Melks gegen die SG TSV DJK Herrieden (die NÖN berichtete) fungierte Konrad dann auch noch als Schiedsrichter, um ein weiteres Beispiel zu nennen.

Und dieser Anspruch, etwas ganz oder gar nicht zu machen, spieße sich heute mehr als früher. „Ich denke, dass es immer schon ein Kampf war um gute Funktionäre. Jetzt ist es vielleicht mehr, weil es einfach so viel neben dem Fußball gibt“, spricht er Familie, Berufsleben und andere Hobbys an.

Und auch der Faktor Alter spielt für Konrad eine Rolle – der 56-Jährige kann sich vorstellen, ab dem 60er kürzerzutreten. „Irgendwann bist du einfach fertig. Es wird ja nicht einfacher.“ Die Pandemie hätte da zum Teil vielleicht sogar einen positiven Effekt gehabt. „Wenn Corona nicht wäre, wären die Leute eventuell noch mehr unterwegs und würden etwas anderes machen.“

Genau die zeitliche Komponente war in St. Oswald ausschlaggebend für einen Rücktritt: Johann Forsthofer war 20 Jahre lang Funktionär beim SKV, vergangenen März musste sich Forsthofer nach privaten und beruflichen Veränderungen zurücknehmen. Ihm folgte als Obmann Karl Wurzer nach. „Die Nachfolge wurde relativ schnell gefunden und die Übergabe hat sehr gut gepasst. Ich helfe noch immer im Hintergrund, wo ich kann. Wegen diversen privaten und beruflichen Veränderungen musste ich allerdings zurücktreten“, erklärt Forsthofer.

Nachfolger sind nicht immer schnell gefunden

Auch wenn Forsthofer seine Nachfolge beim SKV St. Oswald schnell gefunden hat, kann er nachvollziehen, dass es bei anderen Vereinen schwieriger ist: „Jeder Verein ist anders. Es kommt immer auf den Zeitpunkt an, ob es gerade passt oder nicht. Es kann diese Funktion nämlich nicht jeder machen, weil sie natürlich auch viel Zeit beansprucht. Bei uns hat es aber von Beginn an sehr gut gepasst.“

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