Großes Engagement in Krisenzeiten. Die Bevölkerung in den Gemeinden rückt zusammen. Einige Initiativen der Solidarität im Bezirk Melk im Überblick.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek, Denise Schweiger und Markus Glück. Erstellt am 24. März 2020 (04:45)
Benjamin Felbermayer und Lisa Keiblinger stellen sich in den Dienst der guten Sache. Für den Verein „Soziales Ybbs“ erledigen sie für gefährdete Menschen den Einkaufsdienst.
privat

Als vor über zwei Wochen das öffentliche Leben in Österreich aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen in die Schranken gewiesen wurde, blieben Lisa Keiblinger und Benjamin Felbermayer nicht lange still sitzen.

Die beiden Ybbser verfolgten die Nachrichten rund um Schließungen, Quarantänefälle und „Social Distancing“ – aber auch von einer besonderen Initiative in Wien.

„Dort wurde ein Lieferdienst für Lebensmittel und Medikamente ins Leben gerufen. Da kam uns die Idee, das auch in unserer Gegend anzubieten“, erläutert das Paar. Mittlerweile sind sie zwei der 15 freiwilligen Helfern, die im Rahmen des Vereins „Soziales Ybbs“ den Einkaufsdienst für gefährdete Menschen erledigen. „Die Leute rufen an und geben ihre Bestellung auf. In den Märkten wird alles gesammelt und verpackt, wir holen die Ware und bringen sie zu ihnen“, erzählt Felbermayer.

Rund fünf Bestellungen werden momentan pro Tag abgewickelt, via Whatsapp-Gruppe melden sich die Freiwilligen. „Von Wocheneinkäufen bis hin zu kleineren Besorgungen ist alles dabei“, berichtet der Ybbser. Manchmal bringen sie den Einkauf vor die Tür, anderen räumen sie die Lebensmittel direkt in die Küchenregale ein. „Natürlich mit Sicherheitsabstand, Handschuhen und Desinfektionsmittel“, schmunzelt er. „Wir werden immer herzlich begrüßt. Dieses Engagement gibt einem sehr viel zurück.“

„Wir wollen im Rahmen der Coronavirus-Pandemie die Melker Landschaftsapotheke und Allgemeinmediziner entlasten.“Franz Xaver Haunlieb

Für den Ergotherapeuten und die Lehrerin ist es schön, anderen in Krisenzeiten zu helfen. „Die Dankbarkeit ist spürbar.“ Ab dieser Woche unterstützt die Ybbserin auch den Rotkreuz-Dienst „Essen auf Rädern“.

Mehr als 60 Personen haben sich bei der Initiative „#melkhilft“ gemeldet. Aktuell werden dadurch knapp 20 Bürger aus der Stadt versorgt. „Es ist schön, dass die Stadt auch in Krisenzeiten ihren Zusammenhalt zeigt. Ich bin stolz, dass sich so viele Freiwillige gemeldet haben“, betont SP-Gesundheitsstadtrat Jürgen Eder. Einer derjenigen, die für die Bevölkerung im Einsatz sind, ist Johannes Haselsteiner: „Die Dankbarkeit wird klar ausgedrückt und ist sehr stark spürbar.“

Haselsteiner geht derzeit regelmäßig für fünf Haushalte einkaufen. „Ich versuche, die Einkäufe immer zusammenzufassen, um selbst möglichst wenig vor die Tür zu müssen und habe auf diese Weise innerhalb einer Woche bisher zwei Besorgungstouren erledigt“, erzählt der Melker, der bei seinen Touren mit dem Ausweisschild „#melkhilft – Helfer im Dienst“ gekennzeichnet ist.

Studenten gründeten „MedHome“

Denjenigen helfen, die gerade in der schwierigen Zeit Hilfe benötigen: Dieses Motto beherzigen auch die Melker Studenten Florian Graf, Franz Xaver Haunlieb, Felix Rausch und Hubertus Urban. Sie gründeten die Initiative „MedHome“. „Wir wollen im Rahmen der Coronavirus-Pandemie die Melker Landschaftsapotheke und Allgemeinmediziner entlasten“, erklärt Haunlieb das Projekt. Sinn der Sache ist es, Ansammlungen an Personen aus den Risikogruppen zu minimieren und diese Menschen zu schützen, indem zuvor telefonisch bestellte Medikamente direkt von den vier nach Hause geliefert werden.

„Wir stehen in enger Kooperation mit der Landschaftsapotheke Melk und den ärztlichen Ordinationen. Besonderer Dank gilt dabei der Allgemeinmedizinerin Ida-Maria Kisler und der Pharmazeutin Ulrike Diernegger, die an der Koordination der Initiative maßgeblich beteiligt sind“, berichtet der Student.

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