Hundehalter-Gesetzesnovelle: „Hund ist selten schuld“. Einen Hundepass machen und ein Beratungsgespräch vor der Anschaffung eines Hundes führen: Das könnte auf Hundehalter in naher Zukunft zukommen. Ist dies sinnvoll?

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 29. Juli 2020 (04:12)
Markus Müllschitzky trainiert in seiner Hundeschule alle Rassen. Hier beim Training mit Hund „Pauli“.
Gleiß

Hundehalter aufgepasst: Eine Gesetzesnovelle soll zukünftige Besitzer zu intensiven Beratungsgesprächen und einem Hundepass verpflichten. Doch sind die geplanten neuen Vorschriften zwingend notwendig? Die NÖN fragte im Bezirk nach.

Markus Müllschitzky von der Hundeschule „undogmatisch“ in Melk sieht in einer Beratung schon einen Sinn. „Nicht selten zeigt sich, dass Halter und Hund nicht ‚kompatibel‘ sind, weil der Zweibeiner die Bedürfnisse des Vierbeiners nicht ausreichend erfüllen kann“, sagt der Hundetrainer.

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Oft ist es deshalb, weil der angehende Hundehalter laut Müllschitzky vor der Anschaffung der Fellnase keine oder zu wenige Informationen über Hunde im Allgemeinen und die ausgewählte Rasse eingeholt hat. Nach wie vor ist das Aussehen des Vierbeiners oft das ausschlaggebende Anschaffungskriterium.

„Auf diese Weise sind spätere Verhaltensprobleme zum Teil vorprogrammiert“, sagt er. Ein Beratungsgespräch vor der Anschaffung eines Hundes ist aus seiner Sicht zu begrüßen. „Dies würde eine durchaus wünschenswerte Trendwende im Bereich der Hundehaltung bewirken, weil sich der Zweibeiner somit bereits vor der Anschaffung einer Fellnase ausführlich und sachlich mit dem Thema „Hund“ befassen muss und dabei Unterstützung von Experten erhält“, glaubt der zweifache Vater.

Weiters hofft er, dass auf diese Weise unüberlegte Hundeanschaffungen verringert werden, was zu einer Entlastung der Tierheime führen könnte, weil nach fundierter Aufklärung eventuell weniger Hunde in Tierheimen abgegeben werden.

„Aber es darf hier keine Ausnahmen geben, wie etwa für Landwirte bei der vorgeschriebenen Katzenkastration.“Marion Löcker, Tierschützerin aus Haslach

Ob die geplante Einführung eines Hundepasses sinnvoll ist, kann er nicht beurteilen. Es bleiben zu viele Fragen offen: Was genau soll in diesem Pass festgehalten werden? Handelt es sich um einen elektronischen Ausweis? Falls ja, wo und wie lange werden die Daten gespeichert? Wer aller kann Daten eintragen? Wer kann auf diese Daten zugreifen? Muss dieser Ausweis – ähnlich einem Führerschein – immer mitgeführt werden? All diese Fragen sollten seiner Meinung erst geklärt werden.

Pro verpflichtendes Beratungsgespräch ist auch Marion Löcker aus Haslach bei St. Leonhard. Sie ist Obfrau des Tierschutzvereins „Robin Hood“. „Aber es darf hier keine Ausnahmen geben, wie etwa für Landwirte bei der vorgeschriebenen Katzenkastration“, setzt sie nach. Löcker findet, dass ein derartiges Gespräch bei der Haltung von allen Tieren, auch für Kleintiere angebracht wäre. Die sogenannte Rasseliste, also Hunde mit erhöhtem Gefährdungspotenzial soll laut ihr weg. „Sie ist unsinnig und widerspricht der Bissstatistik, jeder Hund kann bei widriger Haltung aggressiv werden, Schuld ist fast immer der Halter – selten der Hund“, bemängelt sie.

Einen Hundepass, worin sämtliche Untersuchungen angeführt werden sollen, ist übertrieben und laut Löcker nicht notwendig und fällt ihrer Meinung nach eigentlich unter Datenschutz. Wer seinen Hund gegen was behandeln lässt, ist Sache des Hundehalters und des Tierarztes und nicht zuletzt des Hundes. Auch darin vermerkte Auffälligkeiten können wieder nur mehr Verwirrung stiften. „Wer bestimmt, wann ein Hund auffällig geworden ist und wodurch?“, fragt sie sich.

Kinder sollten auch mit Hunden trainieren

Wichtig wäre es, bereits Schulkindern im Unterricht das Verhalten von Hunden nahezubringen. „Wenn sie Calming Signals kennen – das sind Beschwichtigungssignale – und diese mit den Hunde kommunizieren, könnten viele Unfälle vermieden werden“, ist sich Löcker sicher. Für Elisabeth Gmach-Mittermayer vom Tierschutzverein Pöggstall sind die bestehenden Regelungen ausreichend, vor allem im Bezug auf die vielen unproblematischen Hunde. Welpen sollten laut ihr nie unkontrolliert hergegeben werden.

Hundehalter und Schlagerstar Thomas Stöckl aus Krummnußbaum ist der Meinung, dass jedem Hundehalter bewusst sein sollte, dass man sich um ein Lebewesen annimmt das genauso Zuneigung und Achtsamkeit benötigt wie wir Menschen, viele vergessen das leider. „Wer keine Zeit hat, sollte sich auch kein Haustier zulegen, einen Test finde ich allerdings ein bisschen übertrieben“, resümiert er.

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