Illegaler Pferdehandel: Besitzer suchen ihre Tiere. Durch Zufall flog eine „Pferde-Mafia“ im Bezirk Melk auf. Die NÖN war live vor Ort.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Update am 07. Oktober 2019 (11:59)
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Wer hat den Wallach "Nemo" gesehen? Er wird von seiner Besitzerin gesucht.

Ein zufällig aufgedeckter Fall von illegalem Pferdehandel schockt Tierbesitzer weit über die Bezirksgrenzen hinaus.

Ein Teenager und ihre Mutter werden verdächtigt, über einen längeren Zeitraum geschenkte Pferde mit Schutzvertrag als teure Dressurpferde verkauft zu haben. „Es ist ein Wahnsinn, was in diesem Stall abging“, berichtet eine geschockte Besitzerin. Das Mutter-Tochter-Gespann ging immer mit der gleichen Masche vor. Über soziale Netzwerke suchten sie für ihre Stute ein Beistellpferd.

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Zahlreiche Leute, die einen guten Lebens-endplatz für ihre Vierbeiner suchten, meldeten sich. Mit Schutzvertrag, in dem vermerkt war, dass die Pferde nur bedingt reitbar seien, oder mit Besuchsrecht sind die Pferde teilweise verschenkt worden. Doch als die Besitzer ihre Lieblinge dann auch besuchen wollten, war entweder das Mädchen, die sich hauptsächlich um die 20 Pferde kümmerte, nicht da oder das Pferd war schon weg.

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Ins Rollen kam der Fall, weil die Kaution für den Stall überfällig war. „Ich war entsetzt, als ich den Stall und die Pferde sah. Die Tiere waren verletzt und abgemagert“, berichtet die Angestellte des Stallvermieters. Erst danach kam das gesamte Ausmaß der „Pferde-Mafia“ zum Vorschein. Die Tiere wurden unter falschem Namen bei Turnieren geritten oder weiterverkauft. Einige Besitzer suchen noch immer nach ihren Lieblingen. Die Polizei ermittelt wegen Betruges.

Beim Lokalaugenschein der NÖN dann das Unfassbare: Plötzlich waren die Verdächtigen im Stall anwesend. Die Mutter zeigte sich gegenüber der NÖN-Mitarbeiterin freundlich und führte sie durch den Stall direkt zu einem schwarzen Hengst, obwohl die Polizei erst Tage zuvor die zwei vernommen hatte. Ein Teil der Pferde wurde bereits an die Besitzer übergeben. Vom Rest fehlt jede Spur.

HoGa
In diesem Stall hielten die zwei Verdächtigen die rund 20 Pferde. Still und heimlich räumten sie ihre Sachen aus.