Kampagne zum Impfen: Panik ist hier nicht angebracht. Impfen soll wieder mehr in den Köpfen verankert werden. Das Land will die Ängste der Bevölkerung schmälern.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 11. Februar 2020 (05:59)
Symbolbild
Shutterstock/Syda Productions

Impfungen gehören zu den wirkungsvollsten Maßnahmen gegen Infektionskrankheiten. Bei Kindern und Jugendlichen sollte laut Medizinern auf rechtzeitigen und vollständigen Impfschutz geachtet werden.

„Ängste müssen durch Aufklärung genommen werden“

Die landesweite Info-Kampagne soll das Bewusstsein fürs Impfen stärken. „Die wichtigsten Impfungen sind im Impfplan angeführt, dieser kann auf der Homepage vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz abgerufen werden. Für mich zählen zu den wichtigsten Impfungen jene gegen Diphtherie, Wundstarrkrampf (Tetanus), Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Poliomyelitis), Hepatitis B, Masern und Mumps“, erklärt Rupert Strasser, ärztlicher Direktor des Landesklinikums Melk.

Die Bevölkerung sei laufend einer Unzahl an Viren und Bakterien ausgesetzt. „Unser Immunsystem ist intelligent und lernfähig und hat ein sogenanntes immunologisches Gedächtnis. Nach einer einmal durchgemachten Infektion erkennt das Immunsystem das neuerliche Eindringen des Virus viel schneller. Daher ist eine Impfung gegen die genannten Krankheiten wichtig“, weiß Strasser.

Die NÖ Landeskliniken-Holding legt größten Wert auf den Schutz seiner Mitarbeiter sowie seiner Patienten. „Impfungen sind hierbei eine wichtige präventive Maßnahme. Bereits vor Dienstantritt in einem NÖ Landes- oder Universitätsklinikum werden daher Impf- oder Immunitätsnachweise verlangt“, erklärt der ärztliche Leiter.

Da Impfungen im niedergelassenen Bereich durchgeführt werden, ist der Hausarzt ein wichtiger Ansprechpartner bezüglich empfohlener Impfungen. Zwei davon sind die Allgemeinmediziner Florian Hoffer (Petzenkirchen) und Michael Karner (Melk). Sie sehen die sinkenden Impfraten mit gemischten Gefühlen und setzen vermehrt auf Information bei ihren Patienten. „Die Ängste müssen durch Aufklärung genommen werden“, fordert Hoffer aus Petzenkirchen.

„Die Einführung der Impfpflicht wäre sinnvoll. Die Entscheidung soll bei Leuten liegen, die sich auskennen.“Kathrin Stich, Apothekerin aus Loosdorf

„Alle Welt ist in ‚Corona-Panik‘. Die Masern verursachten 2018 weltweit über 140.000 Todesfälle, in Europa noch immer 85 – kein Mensch ist in Panik und Impfen gilt als uncool“, setzt Hoffer nach. „Prinzipiell sind alle Schutzimpfungen sinnvoll, wie auch der Name schon sagt. Bei FSME (Zeckenschutzimpfung) und Hepatitis würde ich Titerbestimmungen mittels Blutabnahme empfehlen, da der Schutz oft wesentlich länger halt als das empfohlene Impfintervall“, schlägt der praktische Arzt Michael Karner aus Melk vor.

Punkto Influenza-Impfung sind sich beide einig: Die Impfrate ist hier angestiegen. „Denn die, die eine ‚echte‘ Grippe hatten, wollen diese nicht noch einmal bekommen“, berichtet Karner. Beim Punkt Hygiene ist laut Hoffer der Hausverstand wichtig: Husten in die Ellenbeuge, nicht in die Hand, Papiertaschentücher und gründliches Händewaschen. Karner fügt hinzu: „Der Verzicht auf Händeschütteln würde schon etwas helfen, das ist in einem Land wie Österreich allerdings undenkbar. Aber es lauern auch Keime auf Einkaufswägen, Waren und Geld.“

Auch Kathrin Stich, Apothekerin aus Loosdorf, ist eine Impfbefürworterin. „Die Einführung der totalen Impfpflicht wäre sinnvoll. Die Entscheidung soll bei den Leuten liegen, die sich auskennen“, fordert Stich. Sie will die Panik der Impfgegner entkräften. Ein kontrolliertes Impfen ist nicht gefährlich. „Wenn sich jeder impfen lassen würde, wären viele Krankheiten schon längst ausgerottet“, bekräftigt sie. Stich appelliert an alle Eltern: „Es ist deren Pflicht, ihrem Kind jegliche Impfung zu ermöglichen.“

Umfrage beendet

  • Was haltet ihr von einer Grippe-Impfpflicht?