Kampf um freies Mandat. SP-Funktionäre fordern, dass Landtagsmandat von Günther Sidl nach dessen Wechsel im Bezirk verbleibt. Als Nachfolger wollen viele den Ybbser Schroll sehen.

Von Markus Glück und Denise Schweiger. Erstellt am 09. Oktober 2018 (05:10)
Für den Ybbser SP-Stadtchef Alois Schroll wäre der Verlust des Mandats im Bezirk eine „fatale Entscheidung“.
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Mit der Nominierung von Günther Sidl als EU-Spitzenkandidat droht die SPÖ im Bezirk mit Anfang Juni ohne Nationalrats- oder Landtagsmandat dazustehen. Da der Petzenkirchner über die Landesliste in den Landtag einzog und der Bezirk über kein Direktmandat verfügt, wird die Nachbesetzung ebenso mit einem Kandidaten von der Landesliste erfolgen.

Laut SP-Kreisen könnte dabei das Waldviertel zum Zug kommen. Das Mostviertel würde danach nur mehr durch SP-Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig den Draht in den Landtag haben. Für die Genossen im Bezirk ist das zu wenig. Da mit dem dritten EU-Listenplatz fix davon auszugehen ist, dass Sidl den Sprung nach Brüssel schafft, regt sich Unmut über die mögliche Nachbesetzung.

Bereits bei der Nominierung der Nationalratsabgeordneten Königsberger-Ludwig zur Landesrätin sahen viele SP-Funktionäre den Ybbser SP-Bürgermeister Alois Schroll als Nachfolger. Ein Mandat, welches ihm aufgrund des Listenplatzes zugestanden wäre, hätte die SPÖ nicht die Frauenkarte ausgespielt - bekanntlich zog die Gamingerin Renate Gruber in den Nationalrat ein. Ausgerechnet Schroll ist auch auf der Bezirksliste zur Landtagswahl, hinter Sidl, die Nummer Zwei. Zusätzliche Brisanz bringt die Tatsache, dass Schroll von SP-Landeschef Schnabl ein Mandat versprochen wurde, sofern eines frei ist.

Eine Lanze für Schroll bricht dabei der Ybbser SP-Stadtpartei-Chef Dominic Schlatter: „Bürgermeister Schroll hat in der Vergangenheit seine Bereitschaft bekundet.“ Einen Abgeordneten aus dem Bezirk wünscht sich der Melker Stadtrat Jürgen Eder. „Ich hoffe, dass das Mandat bei uns bleibt und wir nicht abermals mit leeren Händen dastehen. Kommt das Mandat in den Bezirk, wäre Schroll der beste Kandidat.“

Vasku: „Kandidatur ist für Bezirk ein Vorteil“

Ob sich dieser Wunsch erfüllt, wagt Loosdorfs SP-Bürgermeister Thomas Vasku zu bezweifeln: „Das wird sich weisen. Dass Günther jetzt für die EU-Wahl kandidiert, ist für den Bezirk von Vorteil.“

Schroll selbst gibt sich zurückhaltend: „Zuerst gratuliere ich Günther. Würde der Bezirk sein Landtagsmandat verlieren, wäre es eine fatale Entscheidung. Noch dazu, wo wir bereits beim Nationalratsmandat nicht zum Zug gekommen sind.“ Schroll, auch Bezirkschef-Stellvertreter, erinnert die Parteispitze daran, was der Bezirk für die Landes-SPÖ bei allen Wahlen leistet. Angesprochen darauf, ob er das Mandat übernehmen würde, meint er: „Wenn mich die Partei für diese Tätigkeit vorschlägt, bin ich bereit dazu.“

Spannend könnte in der SPÖ aber nicht nur die Situation um das freie Mandat, sondern auch um den Bezirksvorsitz werden. Einige Genossen betonen bereits jetzt, dass Sidl als EU-Abgeordneter zu weit weg sei, er daher als Bezirkschef nicht tragbar wäre. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Parteivorstand dem zustimmt. Da werden wir darüber sprechen müssen“, so ein Vorstandsmitglied zur NÖN.