Lehrlingsoffensive: Die Lust an Lehre wecken. Wirtschaftskammer und Unternehmen klagen über immer weniger Lehrlinge.

Von Markus Glück. Erstellt am 20. September 2016 (06:15)
WK
Wirtschaftskammer-Obmann Franz Eckl, die Unternehmer Martin und Franz Heilos sowie Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Andreas Nunzer wollen die Talente wecken und das Interesse an der Lehre steigern.

Nicht früh genug kann man laut Tischlermeister Franz Heilos aus Bergland mit Kindern und Jugendlichen über die Möglichkeiten in einem Lehrberuf sprechen. Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer sucht er den direkten Draht bereits in der Volksschule.

„Es ist wichtig, Eltern und Großeltern mit ins Boot zu holen und die Möglichkeiten eines Lehrberufs aufzuzeigen. Wir wollen die Talente frühzeitig wecken“, hofft Heilos mit der Kampagne „Talente wecken“ mehr Jugendliche vom Erlernen eines Handwerks zu überzeugen.

Derzeit kämpfen viele Branchen mit dem Rückgang von Lehrlingen, zudem gibt es immer weniger Lehrbetriebe. Waren es im Jahr 200 noch 392 Betriebe, so gab es vergangenes Jahr nur mehr 305 Unternehmen, die Plätze für die rund 1.000 Lehrlinge im Bezirk im Angebot hatten. Besonders drastisch ist es in der Tourismusbranche: 69 Lehrlinge kommen auf nur 33 Lehrbetriebe.

„Wir müssen eine Bewusstseinsbildung schaffen, die zeigt, dass Handwerk goldenen Boden hat.“

Franz Eckl, Wirtschaftskammer-Obmann

Der Rückgang der Betriebe hat laut WK-Bezirksstellenleiter Andreas Nunzer aber nicht mit der fehlenden Lust an der Lehrlingsausbildung zu tun: „Es gibt auch in der Wirtschaft einen Wandel. Im Bezirk haben wir rund 90 Tischler, aber nicht alle produzieren und diese können damit keine Lehrlinge ausbilden.“

In die Pflicht wird aber auch die Politik genommen. „Was in den letzten Jahren politisch passiert ist, hat der Wirtschaft nicht immer weitergeholfen“, formuliert es der Melker Wirtschaftskammer-Obmann Franz Eckl vorsichtig.

Kritik gibt es von seiner Seite vor allem am „Akademisierungswahn“ der letzten Jahre. „Wir müssen bei den Eltern und Jugendlichen eine Bewusstseinsbildung schaffen, die zeigt, dass Handwerk goldenen Boden hat“, verweist Eckl auf die aktuellen AMS-Zahlen.

Hohe Arbeitslosenrate bei Akademikern

So sei derzeit laut dem WK-Obmann die Arbeitslosenrate auch bei Akademikern besonders hoch: „Da ist in den letzten Jahren einiges schief gelaufen. Lehrlinge mit Matura werden zukünftig die bestbezahltesten Arbeitskräfte sein“, ist Eckl überzeugt und er will auch am Image der Lehrlingsberufe arbeiten: „Man muss den Irrglauben bei Eltern und Großeltern wegbekommen, dass ihre Kinder etwas Besseres sind, wenn sie studiert haben.“

Dabei hackt auch Franz Heilos ein: „Man kann nicht jedes Kind zu einer langjährigen Schulausbildung zwingen. Viele wären in einem Lehrberuf viel glücklicher.“

Bei einem Tag der offenen Tür am kommenden Wochenende will er in seinem Betrieb Interessierten weitere Einblicke in die Arbeit des Tischlers geben. „Wir wollen zeigen, was der Tischler eigentlich macht. Vielleicht entdeckt ein Jugendlicher die Lust an der Tätigkeit“, ist Heilos voller Hoffnung.