Nachwirkungen der Flüchtlings-Welle 2015. Die Flüchtlingswelle 2015 stellte Schulen und Kinder vor unterschiedliche Herausforderungen.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 05. Dezember 2017 (05:33)
NOEN, Schweiger
Ibrahim Hasso (Mitte) ist noch kein Jahr in Österreich, spricht aber schon sehr gut Deutsch. Im Bild mit Werner Trinkl und dem Direktor der NMS Melk Manfred Neureiter (v. l.).

2015 brachte die Flüchtlingswelle viele Menschen nach Österreich. Für die Kinder mit Migrationshintergrund galt der Status „außerordentlicher Schüler“, bei dem sie den Unterricht zwar besuchten, aber nicht beurteilt wurden, für zwei Jahre. Mit diesem Schuljahr ist dieser aber abgelaufen. Jetzt müssten sie so wie ihre österreichischen Mitschüler benotet werden. Dass das auch die Schulen im Bezirk Melk vor Herausforderungen stellte, lässt sich in Zahlen veranschaulichen: Die Anzahl an außerordentlichen Schülern verdoppelte sich. Waren es im Schuljahr 2014/2015 116 Kinder, drückten beim Schulstart im Herbst 2015 236 außerordentliche Schüler die Schulbank.

Ibrahim Hasso aus Syrien freut sich schon auf seine ersten Noten. Seit rund acht Monaten ist der 14-Jährige in Österreich, besucht die NMS Melk. Obwohl er noch den Status „außerordentlicher Schüler“ hat, bekommt er ab diesem Jahr schon Noten. Deutsch ist für ihn trotz der kurzen Aufenthaltsdauer mittlerweile kein Problem mehr: „Zuerst war es schon schwer für mich, aber jetzt funktioniert es ganz gut.“

„Es war am Anfang nicht leicht, dennoch hat die Integration der Kids bei uns gut funktioniert.“ Thomas Krancan, Direktor VS Pöchlarn

Hasso ist einer der wenigen Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache, die dieses Jahr in Melk bereits ein Zeugnis mit nach Hause nehmen können.

Werner Trinkl von der NMS Melk war Direktor, als etwa zwanzig Flüchtlingskinder in die Melker Schule kamen. „Im Großen und Ganzen haben viele der Kinder bei uns noch den außerordentlichen Status, da ihre sprachlichen Fähigkeiten einfach noch nicht so weit sind“, berichtet er. Aktuell sind über zehn Flüchtlingskinder in Melk.

Das Können der Kinder hängt dabei von vielen Faktoren ab. „Wenn sie selbst den Willen haben und auch die Eltern dahinter sind, gibt es keine Probleme.“ Außerdem dürfe man eines nicht vergessen: Die Kinder lernen Hochdeutsch in den Kursen, in den Schulen wird aber oft Dialekt gesprochen.

Das Alter spielt bei Integration eine Rolle

Auch in der Volksschule Pöchlarn gab es durch die Flüchtlingswelle Zuwachs in der Klasse. „Es war am Anfang nicht leicht, dennoch hat die Integration der Kids bei uns gut funktioniert. Elf Kinder sind 2015 gekommen, mittlerweile sind es nur mehr drei“, erzählt Direktor Thomas Krancan. Er spielt dem Alter der Kinder auch eine bedeutende Rolle zu: „Es ist ein Unterschied, ob ein sechsjähriges Kind oder ein vierzehnjähriger Teenager das Land wechseln muss.“

Dieser Meinung ist auch Bezirksschulinspektor Wolfgang Schweiger. „Je jünger die Kinder sind, desto rascher lernen sie Deutsch.“ Gar nicht einverstanden ist Schweiger allerdings mit dem Bildungspaket der ÖVP und der FPÖ, das die künftigen Regierungsparteien vor Kurzem präsentiert haben. Sie schlagen vor, dass Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache in eigene Deutschklassen untergebracht werden sollen. „Eine Sprache lernt man vor allem durch Sprechen mit jenen, die die Sprache beherrschen. Was diese Schüler benötigen, ist ein kluger Mix aus Sprachförderung in Kleingruppen und Teilhabe am gemeinsamen Unterricht“, meint der Bezirksschulinspektor.