Patienten suchen ihre Ärzte. Die Hälfte aller Allgemeinmediziner geht in nächster Zeit in Rente. Doch die Nachfolge bleibt offen.

Von Denise Schweiger und Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 12. Februar 2019 (04:20)
Horaczek
Simon hat gut lachen. Ihm bleibt sein Loosdorfer Hausarzt Harald Waxenegger noch erhalten.

Neben „Dorf sucht Wirt“ könnte es bald „Patient sucht Arzt“ heißen. Bürgermeister kämpfen um Gemeinde- und Fachärzte. Bestehende Praxen bleiben oft leer, denn junge Ärzte flüchten lieber in Krankenhäuser, wo sie ein sicheres Einkommen erhalten, ohne sich mit lästiger Bürokratie herumschlagen zu müssen. Ein weiterer Fakt ist, dass in nächster Zeit eine Welle an Pensionsantritten anrollt. Knapp die Hälfte aller Hausärzte geht in Rente. In Zahlen sieht es so aus: Von den 49 Allgemeinmedizinern mit Kassenvertrag könnten zwölf in Pension gehen. Bei den Fachärzten ist das Verhältnis 17 zu sechs.

„Wenn mehrere Ärzte ihren Kassenvertrag erst mit 70 zurücklegen und gleichzeitig einen jungen Partner nebenbei aufbauen würden, wäre das eine ideale Lösung“, meint Gynäkologe Franz Haunlieb. Er betreibt seine Praxis als Wahlarzt in Loosdorf und sitzt im Vorstand der Ärztekammer. Auch Bezirksärztevertreter Harald Waxenegger aus Loosdorf hat zu diesem Thema eine klare Meinung: „Die Nachfolge am Land, aktuell in Mank und St. Leonhard, schaut nicht gut aus. In Mank geht nächstes Jahr ein Ärzteehepaar in Pension. Und in St. Leonhard gehen zwei Ärzte und ein Doktor verlegt seine Ordination nach Kirnberg.“

Allgemeinmediziner Florian Hoffer aus Petzenkirchen sieht die Situation ähnlich. „Hauptproblem der nicht nachbesetzten Praxen ist aus meiner Sicht die unsichere Zukunft“, ortet er in einer modernen Ordination am Land nahezu denselben Versorgungsumfang wie eine Ambulanz oder eines der viel zitierten Primärversorgungszentren. St. Leonhards VP-Bürgermeister Hans-Jürgen Resel ist diesbezüglich optimistisch: „Leonhard und Mank wollen die Gesundheitsversorgung sichern. Die Arztsuche läuft weiter.“

„Wenn Ärzte ihren Kassenvertrag erst mit 70 zurücklegen und nebenbei einen Partner aufbauen würden, wäre das ideal.“Franz Haunlieb, Gynäkologe

Etwas Positives kann Reinhold Neuwirth, Fachärztevertreter des Bezirkes, berichten: „Nach langer Suche konnten die Arzt-Planstellen für Hautkrankheiten und für Kinderheilkunde in Melk nachbesetzt werden.“ Und frohe Kunde gibt es auch für Klein-Pöchlarn: Die Praxis, in der jahrelang Andreas Zinnagl diagnostizierte, übernahm mit Anfang des Jahres Allgemeinmediziner Christoph Holzer. Die ärztliche Versorgung im südlichen Teil des Waldviertels ist damit gesichert.

Weitere Diskussionspunkte sind etwa die Regelung der Hausapotheke oder der Leistungskatalog – also das, was die Ärzte verrechnen dürfen. Antiquierte Leistungen wie das Injizieren des eigenen Blutes dürfen etwa zehnmal verrechnet werden – die Versorgung einer Wunde mit aufwendigen Verbänden allerdings nur einmal pro Monat. Zusammenfassender O-Ton der befragten Ärzte: Es muss sich etwas ändern.

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