Persenbeuger Telefonzelle als Platz zum Schmökern. Telefonzelle wechselt Zweck und wird zu Mini-Bibliothek umgewandelt.

Von Christina Brandstetter. Erstellt am 06. März 2021 (05:56)
Das letzte Telefonat von Hubert Kritsch und SPÖ-Bürgermeister Gerhard Leeb (v. l.) aus der Persenbeuger Telefonzelle.
privat

Durch den beinahe unverzichtbaren Begleiter des tagtäglichen Lebens – das Smartphone – geraten Telefonzellen sowohl in urbanen als auch ländlichen Gebieten in Vergessenheit. Abgesehen davon, dass man diese seltsamen Kabinen nicht mehr braucht, mag es sein, dass die junge Generation gar nicht so recht weiß, wie man solche Apparate bedient.

Telefonzellen Ankauf um schlanke null Euro

Diese Entwicklung ist auch in der Gemeinde Persenbeug-Gottsdorf sichtbar geworden. Gesamt zählt der Ort zwei Telefonzellen. Eine davon – in Hagsdorf – hat jetzt ausgedient. Man überprüfte aber zuerst, wie oft die Zelle denn überhaupt noch genutzt wurde. Bei nur einem Telefonat pro Jahr, entschied sich die Gemeinde, den Betrieb einer Telefonzelle einzustellen. Die andere steht am Rathausplatz und ist noch einsatzbereit.

Ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit wird das Metall-Konstrukt aber nicht verschrottet, sondern umfunktioniert. „Die Idee, daraus eine Bücherzelle zu machen, kam von meiner Tochter. Am Rathausplatz Persenbeug und am Spielplatz Gottsdorf gibt es bereits Baumbibliotheken, die werden gut angenommen“, erzählt SPÖ-Bürgermeister Gerhard Leeb.

In den nächsten paar Monaten werden Bücher, die von anderen nicht mehr gebraucht werden, in die Telefonzelle verlagert. Diese kann man sich ausborgen und wieder zurückbringen. Die benötigten Bücher müssen allerdings nicht erst gesammelt werden. „Wir haben schon ein Inserat geschaltet und ein Pöchlarner hat uns auch viele vorbeigebracht“, sagt Leeb.

Mit der A1 Telekom Austria AG hat man einen Kaufvertrag um null Euro abgeschlossen. Die Zelle wurde dem Verein Soziales und Mobiles Persenbeug-Gottsdorf überlassen. Das Projekt stößt schon auf Anklang. „Ich habe bereits viele positive Rückmeldungen zur Aktion der Bücherzelle erhalten“, berichtet Leeb stolz.

„Die Nutzer sind Jugendliche, Handybesitzer mit leerem oder defektem Akku, Menschen mit geringem Einkommen und sehr oft Touristen.“Die A1 Telekom

Zwar ist der Bedarf für Telefonzellen zurückgegangen, sie sterben allerdings nicht aus.

„Im Bezirk Melk gibt es 70 Telefonzellen. Es werden alle Standorte im Bezirk genutzt, die Häufigkeit differiert jedoch von Standort zu Standort. Die Nutzer sind Jugendliche, Handybesitzer mit leerem oder defektem Akku, Menschen mit geringem Einkommen und sehr oft Touristen. Salopp kann man sagen, dass es pro 1.000 Einwohner eine Telefonzelle gibt. So manche Telefonzelle hat dann auch – wie die in Persenbeug-Gottsdorf – ein „zweites Leben“ in Form einer Bücherzelle“, heißt es seitens der A1 Telekom Austria AG.