Rad-Engpass: Warten wie auf Neuwagen. Die Nachfrage nach Fahrrädern übersteigt das Angebot. Händler im Bezirk Melk verkaufen im Moment nur die Räder, die sie selbst seit letztem Jahr auf Lager haben.

Von Raimund Bauer und Lea Babinger. Erstellt am 04. April 2021 (06:03)
Im Geschäft „Posh-Cycling“ von Stephan Posch in Ybbs stehen die lagernden Rennräder weiterhin zum Verkauf. : Foto: Christina Brandstetter
Christina Brandstetter

Bereits vor einem Jahr, als sich der erste Lockdown über ganz Österreich erstreckte, stieg die Nachfrage nach Fahrrädern. E-Bikes waren besonders beliebt. Und auch zu Ostern dient das Fahrrad traditionell als Geschenk. In diesem Jahr bekommen die Händler jedoch die Auswirkungen des ersten Lockdowns zu spüren.

Stephan Posch vom Radsport-Shop Posh-Cycling in Ybbs bringt es auf den Punkt: „Es besteht kein Engpass, es gibt einfach nichts.“ Bedeutet: Es gibt nur Fahrräder, die die Händler noch aus dem Vorjahr auf Lager haben. Wer ein bestimmtes Bike sein Eigen nennen will, der muss unter Umständen mehrere Monate warten.

„Und nicht einmal da ist es fix. Wir hoffen auf Lieferungen im Herbst“, stellt Mario Wallner, Neo-Geschäftsführer von Rad & Sport Fuchs in Mank in Aussicht. Der Ausfall der gesamten Kollektion 2021 ist für Posch leicht erklärt: „Der Lockdown in China vor einem Jahr hat die Produktion komplett lahmgelegt. Die gesamten Räder, aber auch einzelne Komponenten, sind jetzt rar.“

Für Mario Wallner, der erst vor Kurzem in das Radgeschäft einstieg, findet vielleicht ein Umdenkprozess statt: „Wenn wir die Produkte wieder schneller zur Verfügung haben wollen, dann sollte die Herstellung gewisser Komponenten nicht in Billiglöhnländer ausgelagert werden. Im Prinzip läuft es im Moment wie beim Autokauf, nur muss man sogar noch länger warten.“

Auch Manfred Stadler von Sports & More in Texingtal sieht die Misere. „Die Firmen können nicht liefern, mittlerweile beträgt die Lieferzeit der Räder bis zu zwei Jahren“, berichtet Stadler. Dennoch beruhigt der Texingtaler: „Trotz allem steht noch ein großes Sortiment von E-Bikes und Rädern bei uns im Geschäft zur Auswahl.“ Dafür ging Stadler bereits im Vorjahr ein hohes Risiko ein und bestellte um mehrere Millionen Euro Fahrräder. Dieses Risiko macht sich nun bezahlt.