Sexismus im Dirndl verpackt. Leserin kritisiert Werbesujets von Oktoberfesten im Bezirk. Werberat und Watchgroup klären auf: Wann ist ein Motiv sexistisch?

Von Denise Schweiger. Update am 16. Oktober 2018 (20:40)
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Das Bild der „D‘Mühle – Tanzbar Feststadl“ in Dorfstetten, vom Melker Lokal „Koloman“ und das Sujet des Oktoberfestes im Ybbser „Cocktails“ (ganz unten)

„Muss das denn sein? Das Jahr 2018, #Metoo-Bewegung und auf fast jedem Werbeplakat sind nur Brüste im Dirndl zu sehen!“, meldete sich eine verärgerte Leserin in der NÖN-Redaktion.

Sie sammelte Werbesujets von Oktoberfesten im Bezirk, die sie nicht nur der NÖN, sondern auch dem Werberat und der Watchgroup für sexistische Werbung zukommen ließ. „Vielleicht gibt es ja ein Umdenken“, argumentiert sie. 

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„Prinzipiell ist es nicht sexistisch, eine Frau im Dirndl abzulichten und damit für ein Oktoberfest zu werben“, möchte Michael Straberger, Präsident des Werberates, festhalten. Aber es kommt eben auf Feinheiten an: Wie steht sie da, was genau ist zu sehen – wo liegt der Fokus des Bildes?

„Den Kopf bei Fotos weglassen ist sexistisch“

„Wenn ich etwa einer Frau den Kopf abschneide und nur mehr das Dekolleté übrig bleibt, ist das eindeutig sexistisch“, kommentiert Straberger. Mit den Vorwürfen konfrontiert, kann „Koloman“-Besitzer Heinz Laubert nur den Kopf schütteln. „War diese Person noch nie bei einem Oktoberfest? Auf dem nächsten Flyer zeigen wir nur mehr Frauen im Ski-Anzug“, winkt der Gastronom ab.

Kritik erntete auch das Werbesujet der Dorfstettner „D‘Mühle“ (Mitte) – einerseits vonseiten der Grazer Watchgroup, andererseits von mehreren Frauen aus dem Bezirk, die in der Öffentlichkeit stehen. „Das ist einfach nicht notwendig. Das Oktoberfest ist mehr als nur Saufen und ‚Weiber aufreißen‘. Leider suggerieren diese beiden Sujets das“, meint die Persenbeuger Ex-Staatssekretärin Christa Kranzl. Eine ähnliche Meinung dazu hat Loosdorfs VP-Gemeinderätin und langjährige Pressesprecherin von Ex-Justizministerin Beatrix Karl, Sabine Mlcoch.

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„Ich bin da, egal ob Mann oder Frau, sehr intolerant. Ich stehe für Gleichberechtigung. Beim Dorfstettner Sujet fehlt mir einfach der Mann daneben“, findet die Politikerin. In der „D‘Mühle“ sorgt die Kritik ebenso wie im Melker Lokal für Ratlosigkeit. „Ich sehe das nicht so, ich denke mir da nichts“, sagt Maximilian Heiligenbrunner. Und was die lokale Werbe-Branche dazu sagt? Nicht viel. Kein einziger Werbetreibender wollte sich offiziell auf NÖN-Anfrage zu dieser Thematik äußern. Einerseits läge es an den Kundenwünschen, die es bei Auftragsarbeiten eben zu erfüllen gilt, andererseits das einfache Prinzip: Sex sells.

"Dass Sex sells in dieser Reduktion immer noch in den Köpfen von Werbern vorherrscht, ist wirklich traurig. Der Werberat empfiehlt diesen Kollegen die Broschüre Does & Don´ts in der Werbung", so Michael Straberger.