Sicher auf dem Rad unterwegs. Immer mehr Menschen steigen im Bezirk Melk aufs Bike. Um sicher ans Ziel zu kommen, gibt es aber einiges zu beachten.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 13. August 2019 (03:54)
Tanja Horaczek-Gasnarek
Mit seinem „Christiana-Bike“ sorgt Bernhard Karoh aus Loosdorf für Aufsehen. Das nicht alltägliche Gefährt gefällt seinen Töchtern Ella und Paula. Und er hat seine Mädels immer im Blick.

Das Fahrrad ist eines der Hauptfortbewegungsmittel im Alltag, omnipräsent im Stadt- und Landverkehr. Berichte über schwere oder tödlich ausgehende Radunfälle, wie etwa der tragische Unfall mit den zwei Kleinkindern in Tulln, bleiben leider nicht aus. Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, verfügt über keinerlei Knautschzone und wird leicht von den motorisierten Verkehrsteilnehmern übersehen.

Erst Anfang Mai schockte ein bizarrer Crash in Blindenmarkt den Bezirk. Im Straßengraben lag ein abgetrennter Unterschenkel, 80 Meter weiter konnte der Leichnam eines Rennradfahrers gefunden werden. Der Biker war von einem Wagen gerammt und liegen gelassen worden. Erst nach einer intensiven Fahndung erwischte die Polizei den Unfalllenker.

„Obwohl der Bezirk Melk stark mit Radfahrern aus allen Ländern frequentiert wird, passieren nicht überdurchschnittlich viele Fahrradunfälle“, resümiert Chefinspektor Herbert Oberklammer.

Wichtige Sicherheitsregeln beachten

Damit es nicht zu solch schrecklichen Szenarien kommt, ist es laut Oberklammer wichtig, sich an gewisse Regeln zu halten. „Ein Helm und helle, am besten reflektierende Kleidung sowie ein funktionstüchtiges Rad sind ein Muss“, erklärt er. Es sollte dem Radler bewusst sein, dass, auch wenn er noch genug sieht, ihn der Pkw-Fahrer nicht mehr sehen könnte. „E-Bike Lenker sollten sich wirklich besonders gut mit dem Fahrrad auseinandersetzen und die Geschwindigkeit nicht unterschätzen“, mahnt Oberklammer.

Einen Nachholbedarf an getrennten Wegen im Bezirk sieht Grünen-Gemeinderat Franz Hahn aus dem Dunkelsteinerwald. „Aus eigener Beobachtung und Erfahrung kann ich sagen, dass Autofahrer zu wenig Abstand halten und zu schnell fahren. Das beängstigt mich“, meint Hahn. Im Dunkelsteinerwald werden gerade die Radwege erweitert. So können Biker sicherer in die Nachbarorte radeln. Auch in der Bezirkshauptstadt setzt man auf eine bessere Radweg-Infrastruktur.

„Heuer werden wir noch den Lückenschluss zwischen der Donaubrücke und der Firma Schuberth herstellen. In der Rollfährenstraße ist ein eigener Radweg geplant, um die Sicherheit in diesem Bereich zu erhöhen“, erklärt VP-Bürgermeister Patrick Strobl. Bei ihm besitzt jedes Familienmitglied ein Rad. „Wir fahren gerne damit und nehmen die Räder auch mit in den Urlaub. Besonders wichtig ist mir, dass jeder von uns einen Helm trägt und unsere Räder von motorisierten Fahrzeugen gesehen werden“, berichtet er.

„Drahtesel-Population“ wächst im Bezirk Melk

Christian Höller von der Radlobby Melk begrüßt die immer mehr werdende „Drahtesel-Population“. „Doch beim Bau der Verkehrsinfrastruktur ist auf die Radfahrer vergessen worden. Das rächt sich jetzt“, meint der Sprecher der Interessensvertretung. Getrennte Fahrbahnen sind auf Überlandstraßen, wo sehr hohe Geschwindigkeiten gefahren werden, wichtig.

Mit einem nicht alltäglichen Rad chauffiert Bernhard Karoh aus Loosdorf seine Töchter. Statt in einem Anhänger hinten sitzen die Mädels in einem Aufbau vorne. „Ich habe mich bewusst für dieses Rad entschieden, da ich so meine Töchter gut im Blick habe“, berichtet der Vater aus Loosdorf. Er liebt die Vielfältigkeit, welche das Radeln bietet. Einerseits betätigt er sich sportlich und andererseits schont er die Umwelt.

Hype um E-Bikes als Problem?

Michael Karner, Arzt aus Melk, ist ein leidenschaftlicher Radrennfahrer. Er kennt die Tücken des Sports, aber auch die vielen Vorteile. „Es wäre schade, wenn wegen ein paar wenigen Unfällen der Radsport komplett in Verruf geraten würde“, kritisiert der Allgemeinmediziner. Bezirksmäßig ist das Radnetz laut ihm eigentlich ganz gut, aber sehr donaulastig. „In das ‚Land hinein‘ muss man sich an die normalen Straßen halten“, bemängelt Karner.

Als Problem empfindet er den Hype um die E-Bikes. Diese sind laut ihm mit Unterstützung doch flott unterwegs. Ein Pluspunkt jedoch: Viele beginnen mit dem gesunden Radeln. Minuspunkt: E-Bikes werden so wie Rennradfahrer von der Geschwindigkeit her von den anderen Verkehrsteilnehmern unterschätzt. „Als Sportler hat man jedoch mehr Erfahrung im Umgang mit dem Rad“, meint der Profi.

Zum Thema Fahrradanhänger hat Karner auch eine Meinung. „Meines Erachtens nach sind sie sicher und komfortabel, ich werde meine Kinder weiterhin darin transportieren.“

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