Skepsis gegenüber Impfen steigt an. Aufgrund niedriger Durchimpfungsrate kommt es vermehrt zu Masern-Fällen. Heuer sind es schon 29 in NÖ.

Von Jutta Streimelweger. Erstellt am 07. Juni 2017 (05:00)
Immer mehr Menschen im Bezirk lassen sich nicht impfen.
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78 Fälle von Masern gab es heuer bereits in Österreich, 29 davon in Niederösterreich. Damit erreicht NÖ nach der Steiermark mit 32 Fällen den unrühmlichen zweiten Platz. Der Grund dafür ist für Arzt Hansjörg Fedrizzi aus St. Leonhard klar: „Das Impfverhalten bei uns im Bezirk ist mäßig zufriedenstellend.“

Auf rund 25 Prozent schätzt er die Anzahl der Leute, die Impfungen verweigern, aber auch die Skepsis ist gestiegen: „Andere 25 Prozent stimmen erst nach intensiver Aufklärung zu.“

Maserninfektion erlebt Aufschwung

Zu den wiederauftretenden Krankheiten zählen neben Masern auch Kinderlähmung, Röteln und die FSME-Gehirnhautentzündung: „Und vermutlich werden es in Zukunft bei Fortbestand der Impfmüdigkeit noch viele mehr.“ Fedrizzi findet es gar fahrlässig, wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen: „Es ist wissenschaftlich belegt, dass Impfen vor schweren und teilweise todbringenden Erkrankungen durch Vorsorge schützt und vergleichsweise ein vernachlässigbares Nebenwirkungsprofil hat.“

Dass gerade die Maserninfektion einen Aufschwung erlebt, bestätigt auch die Apothekerkammer: „Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene sind von der niedrigen Durchimpfungsrate betroffen“, erklärt Sprecherin Gudrun Kreutner. Grundsätzlich sehe der Österreichische Impfplan zwei kostenlose Impfungen gegen Masern-Mumps-Röteln vor. Sind diese verabreicht, besteht lebenslange Immunität.

Mehrere Impfstoffe sind derzeit knapp

Kontraproduktiv für den Aufruf zum Impfen ist hingegen der Impfstoffmangel: So sind etwa Stoffe für „Diphtherie-Tetanus-Polio-Pertussis“, „Typhus“ sowie „Hepatitis A“ knapp.

„Auch Patienten von mir waren davon schon betroffen“, weiß Fedrizzi und erklärt: „Die Knappheit ist vermutlich auf einen reinen Kostenpoker zwischen den Impfstofferzeugern und bezahlenden öffentlichen Stellen zurückzuführen.“ Die Apothekerkammer sieht die Gründe für die Lieferengpässe in der Zentralisierung der Produktion.