Social Media im Klassenzimmer: WhatsApp & Co am Pranger. Der Datenschutz verlangt eine Abkehr von Diensten, die schon fester Bestandteil der Kommunikation sind.

Von Michael Bouda. Erstellt am 27. November 2018 (04:00)
shutterstock.com/BigTunaOnline

Es ist so einfach: Gruppe ausgewählt, Nachricht geschrieben und schon sehen alle Mitschüler und die Lehrkraft die entsprechende Information auf ihren Smartphones – sei es die Literatur für die nächste Deutschstunde betreffend, auf der Projektwoche oder beim Organisieren des Schulballs.

Social-Media-Dienste wie WhatsApp haben längst Einzug in die Klassenzimmer gehalten und werden als Kommunikationsmittel zwischen den Schülern untereinander, aber auch zwischen Schülern und Lehrenden verwendet.

Dem soll der Informationserlass des Landesschulrats nun einen Riegel vorschieben – insbesondere aufgrund der Gefährdung des Datenschutzes, die ein Teil der Anwendungen mit sich bringt.

Dieser Argumentation kann Gerhard Hackl, Direktor der HLUW Yspertal, viel abgewinnen: „Der Hintergrund ist die Datenschutz-Grundverordnung. Der Erlass ist im Sinne des Schutzes der Schüler.“

Kürzlich hat der Landesschulrat den Informationserlass „Digitale Grundbildung und Einsatz von Social-Media-Software“ herausgegeben. Er empfiehlt Schulen und Schülern, in der Schul-Kommunikation auf Schulsoftware statt auf WhatsApp, Facebook oder Instagram zurückzugreifen.
Vasin Lee /Shutterstock.com

Georg Strasser, Obmann des Elternvereins der HLUW Yspertal, ist derselben Meinung: „WhatsApp ist vom Adressatenkreis her ein relativ offenes System. Das ist der Grund, warum es im schulischen Kontext nicht mehr erlaubt ist.“ Denn es könne, so Strasser weiter, ein unerwünschter Informationsfluss zu Dritten nicht verhindert werden.

Sowohl Georg Strasser als auch Gerhard Hackl verweisen auf alternative Anwendungen, die im Einklang mit den Datenschutzrichtlinien stünden: zum Beispiel die App WebUnits, der Messenger Signal oder das Programm Microsoft Teams.

Die SMS-Ybbs-Lehrerin Ulli Schachner spricht sich ebenfalls für eine Eingrenzung der Verwendung von Social Media in der Schule aus: „Dinge werden in WhatsApp-Gruppen leichter gesagt als in persönlichen Gesprächen.“ Sie räumt aber auch ein, dass die Anwendungen temporär – etwa bei einer Sportwoche – praktisch seien.

„Man hat sich teilweise sehr daran gewöhnt“

Anton Eder vom Stiftsgymnasium sieht den Erlass kritisch.
privat

Hier hakt wiederum Anton Eder, Direktor des Stiftsgymnasiums Melk, ein. Er sieht den Informationserlass des Landesschulrats skeptisch: „Man hat sich teilweise sehr an diese Social-Media-Plattformen gewöhnt. Jetzt wird da ein Loch hineingerissen. Wir sind dabei, dieses Loch zu füllen.“ Insbesondere kritisiert Eder, dass keine anderen Optionen angeboten würden, die eine ähnlich einfache Kommunikation erlaubten: „Es wäre gut, wenn das Bundesministerium ein alternatives Programm zur Verfügung stellt, mit dem ähnlich wie bei WhatsApp kommuniziert werden kann.“

Umfrage beendet

  • Ist ein Social-Media-Verbot an Schulen sinnvoll?