Sprengstoff-Fund nach Brand: Pensionist verurteilt. Bezirk Melk: Nach einem Brand findet die Polizei kiloweise Sprengstoff im Haus eines 70-Jährigen. Dieser steht jetzt wegen Gemeingefährdung vor Gericht.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 29. April 2021 (20:52)
Nach einem anonymen Hinweis fand die Polizei 25 Kilo Sprengstoff in einem Gebäude in dem es einige Wochen zuvor gebrannt hatte.
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Im Dezember steht ein Bauernhof in Dorfstetten in Flammen. 215 Feuerwehrleute von neun Feuerwehren kämpften dagegen an. Was sie zu dem Zeitpunkt nicht wissen: Auf dem Grundstück lagern 25 Kilo Sprengstoff, fünf Kilo des Sprengmittels Gelatine Donarit, über 100 elektrische Momentzünder, Sprengkapseln und über 300 Meter Zündschnur. Glück im Unglück: nichts davon wird vom Feuer erfasst. Für die Feuerwehrleute hätte das tödlich ausgehen können. Erst Ende Jänner, also mehrere Wochen nach dem Brand erfährt die Polizei durch einen anonymen Hinweis von den Sprengmitteln.

Angeklagter selbst von Sprengstoff überrascht

Dass sie überhaupt auf dem Hof lagerten wusste der 70-jährige Pensionist, der dort mit seiner Schwester wohnt, nicht, wie er vor Gericht mehrmals betont. Er ist wegen fahrlässiger Gemeingefährdung angeklagt und auch, weil er die Sprengmittel gar nicht besitzen darf. Zusätzlich fanden die Beamten ein altes deutsches Sturmgewehr auf dem Grundstück, eine Waffe, die der Mann ebenfalls nicht besitzen darf. Sie gehörte seinem Vater, der ebenfalls auf dem Bauernhof (dem Elternhaus des Pensionisten) wohnte und vor einigen Jahren starb. Und es stellt sich auch heraus: Der Vater des Pensionisten war Sprengmeister mit der Befugnis Sprengstoff anzuschaffen und zu besitzen.

„Ich habe nicht gewusst, dass mein Vater den Sprengstoff im Haus hat“, beteuert der Mann. Das erste Mal habe er davon selbst erst nach dem Brand von den Feuerwehrleuten erfahren. Den Karton mit dem Sprengstoff fanden diese im ersten Stock beim Ausräumen des beschädigten Gebäudes und trugen ihn in einen Holzschuppen. Dort seien die Sachen dann gestanden, bis die Polizei kam.

Meldung aus Existenznot vergessen

Vorgeworfen wird ihm, dass er sich nach Entdeckung des Sprengstoffes nach dem Brand unmittelbar hätte erkundigen und den Fund hätte melden müssen. Was er aber nicht tat. „Mit dem Brand gerieten der Angeklagte und seine Schwester in Existenznot. Sie haben nicht daran gedacht, sich zu erkundigen, was sie mit den Sprengmitteln machen sollen. Sie befanden sich in einer Ausnahmesituation“, sagt der Verteidiger. Den Umstand, dass die Feuerwehrleute, die Sprengmittel nicht gleich mitnahmen, sondern sie in einen Holzschuppen stellten, nennt er absurd.

Menschlich könne er das nachvollziehen und verstehen, erwidert der Richter. Er glaubt dem Angeklagten auch, dass dieser bis nach dem Brand nichts von den Sprengmitteln wusste. Trotzdem hat sich der Angeklagte strafbar gemacht, weil er die Sprengmittel wochenlang in seinem Besitz hatte, ohne das zu melden, beziehungsweise Maßnahmen zu ihrer Sicherung zu treffen.

Der Richter verurteilt ihn deshalb wegen fahrlässiger Gemeingefährdung zu einer Bewährungsstrafe von fünf Monaten mit einer dreijährigen Probezeit. Der Strafrahmen beträgt zwei Jahre Haft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Sprengmittel und die Überreste des Sturmgewehrs werden vernichtet, das ist dem Angeklagten sehr recht: „Ich will nichts mehr sehen und hören von dem Dreck. Ich bin froh, wenn ich die los bin.“