Städte: Bleibt die Absolute?. Melker, Ybbser und Pöchlarner Stadtchefs müssen sich behaupten. Kaum Sorgenfalten in Mank.

Von Markus Glück, Michael Bouda und Denise Schweiger. Erstellt am 24. Dezember 2019 (03:48)

Die verschiedenen Parteien starten unterschiedlich in die Intensivphase des Gemeinderatswahlkampfs in NÖ. Die SPÖ schafft die Kandidatur im Bundesland in fast 20 Kommunen nicht, die FPÖ ist öfter vertreten als 2015. Einzig die ÖVP tritt in allen 567 Gemeinden an. Die Grünen wird man in rund 125 Gemeinden am Stimmzettel finden. NEOS kandidieren in 37 Gemeinden. Formfehler bei der Listen-Einreichung verhinderten in zwei weiteren den Antritt.

In der Bezirkshauptstadt Melk kommt es am 26. Jänner 2020 zu einem Novum. Alle vier Parteien treten mit neuen Spitzenkandidaten an. Das erklärte Ziel der Oppositionsparteien ist klar: das Brechen der VP-Absoluten.

Spannend wird in Melk aber nicht nur, ob VP-Bürgermeister Patrick Strobl die Mehrheit halten kann, sondern auch, ob die SPÖ den zweiten Platz von den Grünen zurückerobern und damit ein Wörtchen bei der Vizebürgermeister-Wahl, sofern die ÖVP die Absolute verliert, mitreden kann. Einige unangenehme Brocken, wie der Streit mit dem Stift Melk um die Lustbarkeitsabgabe und die „Causa Golznig“, konnten zuletzt aus dem Weg geräumt werden.

Auf den neuen Gemeinderat warten mit der Siedlungserweiterung im Süden, dem Boulevard und dem Hafenspitz entlang der Donau insgesamt drei wichtige Themen für die Zukunft der Stadt.

Die Landes-ÖVP gab für Ybbs das klare Ziel aus, die Stadt zu drehen und künftig einen „schwarzen“ Bürgermeister zu stellen. Einfach wird das Vorhaben aber nicht, zu wenig eigenes Profil gelang der Stadt-ÖVP in den letzten Jahren. SP-Stadtchef Alois Schroll polarisiert zwar, leistete sich aber auch keine massiven Schnitzer.

Eng könnte es indes für die Wahlplattform der Unabhängigen Ybbser mit dem Einzug in den Gemeinderat werden. Zuletzt getätigte Aussagen in Richtung Rathausmitarbeiter sorgten in der Bevölkerung für wenig Gegenliebe. Der Fokus in den nächsten Jahren liegt auf der Innenstadtbelebung samt Schifffahrtstourismus sowie der Etablierung neuer Wirtschaftsbetriebe.

Ein halbes Jahr vor der Gemeinderatswahl sah die Sache in Pöchlarn noch ganz anders aus. Der Tenor in der Stadt: Die VP-Mehrheit wird im Jänner fallen – zu stark seien die umtriebigen Freiheitlichen geworden. Als heißer Bürgermeister- oder Vizebürgermeisterkandidat galt für viele schon FP-Fraktionschef Gerald Albrecht. Pöchlarn als erste Stadt im Bezirk mit der FPÖ in der Regierung – ist das vorstellbar? Einerseits weht der ÖVP recht viel Gegenwind aus der Bevölkerung entgegen. Andererseits gingen bislang die Aufstiegschancen der anderen Oppositionsparteien praktisch gegen null. Die SPÖ? Zu klein, zudem wenig bis gar nicht präsent. Grüne? Zu klein, aber zumindest laut im Gemeinderat. INPÖ? Zu klein, mittlerweile aufgelöst.

Ein halbes Jahr später ist viel passiert. „Huber, Lambeck, Strache: Es hat schon einmal besser ausgesehen“, zeigte sich Albrecht im NÖN-Interview knapp sechs Wochen vor der Wahl wenig euphorisch. Vom „blauen“ Bürgermeistersessel-Traum ist anscheinend bloß der Wunsch des Mandatserhalts geblieben. Ein Umstand, der VP-Bürgermeister Franz Heisler in die Hände spielen könnte. Es bleibt spannend, wer künftig – alleine oder in Koalition – die Geschicke der Stadt leiten wird.

Weniger Spannung gibt es in Mank – zumindest, was die regierende VP anbelangt. Seit 2004 bekleidet Martin Leonhardsberger das Amt des Bürgermeisters. Und alles andere als eine vierte Legislaturperiode wäre eine Sensation. Spannend könnte es hingegen für die SPÖ werden.

Martin Sommer wird statt Langzeit-SP-Spitze Anton Hikade in den Polit-Ring steigen, hat aber im letzten Moment ernst zu nehmende Konkurrenz im linken Spektrum bekommen. Denn erstmals treten die Grünen in der Stadtgemeinde an, der Manker Unternehmer Timm Uthe führt die neu gegründete Liste an. VP-Stadtchef Leonhardsberger verfolgt seit Jahren selbst grüne Paradethemen wie Umweltschutz. Das könnte es für Uthe noch schwieriger machen – oder eben doch auch Leonhardsberger etwas nervös werden lassen.

Einen Überblick über die Spitzenkandidaten aller Parteien findet ihr in der Printausgabe und im ePaper.

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