Trotz sinkender Covid-Zahlen keine Entspannung in Sicht. Die Corona-Zahlen im Bezirk Melk fallen aktuell, das Infektionsgeschehen sei aber laut derBezirkshauptmannschaft Melk immer noch angespannt. Dass die Bezirksinzidenz kurz vor dem Erlass der Ausreisetests vergangene Woche sank, wird in den Sozialen Netzwerken kritisch beäugt. AGES verweist auf Meldesystem.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 13. April 2021 (11:02)
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Sie schienen unausweichlich, die Ausreisebeschränkungen für den Bezirk Melk. In der Karwoche kletterten die Corona-Zahlen täglich nach oben, am Ostersonntag krönte sich der Bezirk mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von 534,6 Fällen pro 100.000 Einwohner zum traurigen Spitzenreiter – nirgends in ganz Österreich war die Zahl so hoch. In den darauffolgenden Tagen sank die Bezirksinzidenz zwar, lag aber immer über der kritischen Marke von 400 – bis zum alles entscheidenden vergangenen Donnerstag.

Während man mit dem Inkrafttreten der Ausreisetests rechnete, sank die Zahl auf 356,8 – und damit entging der Bezirk haarscharf den verschärften Maßnahmen, wie sie etwa im Nachbarbezirk Scheibbs seit Freitag der Vorwoche gelten. Auch wenn dies zweifelsohne erfreuliche Nachrichten für die Region sind – in den sozialen Medien häufen sich durchaus kritische Postings zu dem plötzlichen Rückgang, so kurz vor dem Erlass der Ausreisebeschränkungen.

Auf Twitter kursiert das "Wunder von Melk"

Auf dem Nachrichtendienst Twitter war etwa schon in der Karwoche, als die Scheibbser Bezirksinzidenz kurz vor den Ausreisetests unter die „400er-Marke“ rutschte, vom „Wunder von Scheibbs“ zu lesen. Das „Wunder“ hielt bekanntlich nicht lange an, denn sieben Tage später traten die Ausreisebeschränkungen in Kraft – doch der rapide Rückgang, wie er in der Vorwoche nun auch im Melker Bezirk vermeldet wurde, wirft Fragen auf. Laut manch Twitter-Nutzer sei ein derart rapides Abfallen der Infektionszahlen statistisch gar nicht möglich, es wird – nicht nur zwischen den Zeilen – angedeutet, dass die Zahlen „getürkt“ wurden.

In Labors gemeldete Fälle werden täglich ausgewiesen

Angesprochen auf die Postings will Bezirkshauptmann Norbert Haselsteiner nichts von einem „Wunder von Melk“ wissen. „Die Sieben-Tages-Inzidenzzahlen für die einzelnen Bezirke in Österreich werden von der AGES (Anmerkung: Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) aufgrund der von den Labors gemeldeten positiven Fälle täglich ausgewiesen und auch veröffentlicht. Die einzelnen Bezirksverwaltungsbehörden und damit auch die Bezirkshauptmannschaft Melk haben darauf keinen Einfluss“, informiert er.

Daten im Meldesystem werden geprüft

Vonseiten der Presseabteilung der AGES heißt es wiederum auf NÖN-Anfrage, dass die Daten auf dem Dashboard „direkt aus dem Epidemiologischen Meldesystem (EMS) der Gesundheitsbehörden“ übernommen werden. Labors müssen seit 2014 die Ergebnisse von Untersuchungen meldepflichtiger Erkrankungen ins EMS melden. Alle Eintragungen werden authentifiziert und protokolliert.

Bezirk: 419 Personen corona-positiv, 800 in Quarantäne

„Trotz des zahlenmäßigen Rückganges des Infektionsgeschehens ist die Corona-Situation im Bezirk aber nach wie vor sehr angespannt“, betont Bezirkshauptmann Norbert Haselsteiner auf NÖN-Anfrage. Zum Stand heute (Dienstag) vermeldet die BH Melk 419 Personen, die positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden sind. Zum Vergleich: Zum Start der Vorwoche waren es noch 618 Personen. Insgesamt sind aktuell 800 Personen als Verdachtsfälle bzw. Kontaktpersonen behördlich abgesondert. "Es bestehen derzeit 103 Verkehrsbeschränkungen.

Mit heutigem Stand kommt es in zwölf Gemeinden zu einem Überschreiten der Sieben-Tages-Inzidenz von 300 bzw. 400 Fällen pro 100.000 Einwohner", erläutert Haselsteiner. Der Bezirkshauptmann appelliert an die Bevölkerung, sich trotz derzeit der abfallenden Corona-Zahlen an die Schutzmaßnahmen zu halten. Wie Montagabend bekannt wurde, gehen die erweiterten Vorgaben der Bundesregierung in Niederösterreich noch bis Sonntag, 2. Mai, in die Verlängerung.