Weiderbauer: „Beteiligung der Grünen wäre geil“. Die vorgezogene Wahl ist über die Bühne gegangen. Für die ÖVP heißt es Partnerwahl. Für wen schaut es positiv aus?

Von Tanja Horaczek-Gasnarek und Markus Glück. Erstellt am 08. Oktober 2019 (04:23)
APA/Fohringer
ÖVP-Bundesparteiobmann Sebastian Kurz und Bundespräsident Alexander Van der Bellen in der Hofburg. Am 7. Oktober hat Van der Bellen Kurz den Auftrag zur Regierungsbildung erteilt.Fohringer

Während die ÖVP nach ihrem Auszug aus der Regierung aufgrund eines Misstrauensantrages an Wählerstimmen beachtlich zulegte, holte die FPÖ die Ibiza-Affäre, der Spesenskandal und letztendlich im Bezirk die Martin Huber-Geschichte ein. Die Blauen konnten ihre Anhänger nicht zum Wählen animieren.

Aber nicht nur die FPÖ verlor an Wählern. Auch die SPÖ erreichte ihre Leute nur bedingt. Viele tiefrote Gemeinden im Bezirk wechselten die Farbe: Türkis ist nun das neue Schwarz. Und genau diese Fraktion rund um Stimmenkaiser Sebastian Kurz ist jetzt gefragt. Mit welcher Partei werden sie zusammen gehen? Und mit welcher eher nicht? Die NÖN fragte dazu die Politiker im Bezirk.

„Wir reden mit allen Parteien. Wichtig ist, dass man nach der Wahl die Gräben zuschüttet und im Sinne der Wähler konstruktiv arbeitet. Es gibt mit allen Parteien Punkte, in denen man übereinstimmt“, ist sich der wiedergewählte VP-Nationalratsabgeordnete Georg Strasser aus Nöchling sicher. Laut ihm befinden sich SPÖ und FPÖ gerade im Umbruch.

„Eine Beteiligung der FPÖ ohne wichtige Ministerien und ohne eindeutige freiheitliche Handschrift käme einem Suizid gleich.“Peter Zöchlinger, FPÖ

„Die FPÖ hat sich vorab selbst aus dem Spiel genommen, weshalb es hier schwieriger wird. Auch mit der SPÖ stelle ich mir Gespräche nicht einfach vor“, gibt er zu bedenken. VP-Bürgermeister Patrick Strobl aus Melk ist sich sicher, dass Bundesparteiobmann Sebastian Kurz die richtige Entscheidung treffen wird. Sein Bürgermeisterkollege Walter Wieseneder aus Bergland betont: „Es gibt jedoch einige handelnde Personen bei den anderen Parteien, mit denen eine Zusammenarbeit aufgrund vergangener Vorkommnisse unmöglich ist.“

Glück
Grünen-Bezirksobmann Emmerich Weiderbauer.

Eindeutigere Worte finden hingegen die Grünen. „Hände weg“ von einer türkis-grünen Koalition fordert Grünen-Bezirksobmann Emmerich Weiderbauer: „Ich habe kein Vertrauen in die türkise ÖVP.“ Für ihn heißt das aber nicht, dass man im Vorfeld nicht über eine Zusammenarbeit reden könne. „Schaffen wir bei den Themen Migration, Klimaschutz und Armutsbekämpfung ein sensationelles Ergebnis, wäre eine Regierungsbeteiligung der Grünen geil“, so Weiderbauer, der aber aufgrund seiner Erfahrung zweifelt:

„Die ÖVP müsste von einer Rechts-Rechts-Politik zu einer Mitte-Links-Politik umschwenken. Durch das, was ich zuletzt mit diesen türkisen Politikern erlebt habe, glaube ich aber nicht daran.“ Die vorstellbarste Variante für eine Koalition bleibt für Weiderbauer ein türkis-blaues Bündnis. Nicht so sieht das seine Parteikollegin Bettina Schneck: „Wieder Türkis-Blau wäre für mich eine Enttäuschung.“ Sie fände eine mögliche Zusammenarbeit zwischen Türkis-Grün möglich.

Gemeinde
SP-Bürgermeister aus Loosdorf Thomas Vasku.

Nach ihrer Wahlschlappe ist die FPÖ trotzdem kämpferisch. „Vorstellbar ist derzeit gar keine Variante einer Koalition“, meint FP-Obmann Richard Punz aus Ruprechtshofen. Türkis-Blau wäre für Punz rein inhaltlich zwar die einzig logische Variante, jedoch sei das Misstrauen nach dem Verrat von Kurz zu groß. Sein Parteikollege aus Schollach, Peter Zöchlinger, betont es konkreter: „Eine Beteiligung der FPÖ ohne wichtige Ministerien und ohne eindeutige freiheitliche Handschrift käme einem Suizid gleich.“ Die ebenfalls von der Wahl gebeutelte Bezirks-SPÖ hält sich mit ihren Wünschen eher kurz. „Es liegt an der ÖVP, jetzt mit den Parteien Gespräche zu führen, die SPÖ ist natürlich gesprächsbereit“, kommentiert SP-Bürgermeister Thomas Vasku aus Loosdorf.

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