Wirtesterben: Der Ofen bleibt kalt. Wirtesterben Es ist oft schwierig, gutes Personal oder eine Nachfolge zu finden – ein steiniger Weg für viele Gastwirte. Von ssssss

Von Tanja Horaczek-Gasnarek und Denise Schweiger. Erstellt am 04. Juni 2019 (04:00)
Shutterstock/ Dragon Images

Die Gastronomie ist ein hartes Pflaster. Arbeiten, wenn andere frei haben – und das mitunter mehr schlecht als recht entlohnt. Den Schritt, selbst ein Gasthaus zu führen, wagen im Bezirk immer weniger.

Nöchling kämpft etwa schon länger mit dem Wirte-Dilemma. Mittlerweile gibt es nur mehr zwei Anlaufstellen für hungrige Gäste: 2016 schloss der „Nöchlingerhof“, 2017 der Gasthof „Zur Linde“. Eine warme Mahlzeit tischen seither nur die Inhaber der Bäckerei Katzengruber und des „Teichstüberls“ auf. Dass die beiden leer stehenden Gasthäuser innerorts wieder belebt werden, steht auch auf der Wunschliste des VP-Bürgermeisters Roman Grabner ganz oben. „Gott sei Dank haben wir die Bäckerei und das Stüberl“, findet der Ortschef, „aber Nachfolger für die Wirtshäuser wären extrem wichtig für Nöchling.“

Seit vergangener Woche hat sich auch die Anzahl der Gastro-Betriebe in Krummnußbaum von vier auf drei dezimiert. Das Gasthaus „Schiffmeister“ ist nun geschlossen. Das soll aber nicht lange so bleiben: Findet sich kein Wirt, will die Gemeinde die Sache mittels „Vermögenspool“ selbst in die Hand nehmen. Am Mittwoch, 12. Juni, findet diesbezüglich ab 19 Uhr eine Informationsveranstaltung im Rathaus statt. „Es ist sowohl der Gemeinde als auch der Bevölkerung ein großes Anliegen, an diesem Platz ein Gasthaus zu betreiben. Gemeinsam können wir den geschichtsträchtigen Betrieb vielleicht neu ins Leben rufen“, erläutert VP-Vizebürgermeisterin Andrea Eichinger.

WK NÖ; Foto: Iakov Filimonov/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Eine etwas bessere – aber nicht weniger harte – Geschichte hat Sylvia Knedelstorfer mit ihrem „Gasthaus zur scharfen Kurve“ in Gansbach (Dunkelsteinerwald) zu berichten. Sie und ihr Mann sind Quereinsteiger. „Bei uns hatten sukzessive alle Wirtshäuser zugesperrt. Nach drei Jahren ohne Gasthaus haben wir bemerkt, dass die Gemeinschaft abnimmt und darum wollten wir das ändern“, erklärt Knedelstorfer ihren Schritt in die Selbstständigkeit.

Sie fassten sich ein Herz und renovierten das ehemalige Gasthaus. „Uns war wichtig, den Austausch in der Gemeinde zu fördern“, betont die Wirtin. Sie und ihre Familie wissen aber, dass es nicht immer einfach ist. „Ein Gastro-Betrieb ist arbeits- und zeitintensiv. Geschultes Personal ist schwer zu finden“, seufzt sie. Doch sie wollen sich gegen den Trend wehren und setzen auf regionale und selbst hergestellte Produkte. „Wir bemühen uns um jeden Gast“, zeigt sich Knedelstorfer optimistisch.

Umfrage beendet

  • Gibt es in eurem Heimatort noch genug Wirtshäuser?