Wochenenddienste: Von wegen Alarmstufe Rot. Dass das Bereitschaftssystem auf Freiwilligkeit umgestellt wurde, sorgt in Bevölkerung für Unmut. Hausärztin Elisabeth Hössl und die Ärztekammer geben Entwarnung.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 23. Juli 2019 (03:45)
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Symbolbild

Aufgrund „fehlender rechtlicher Basis“ stoppte der Verwaltungsgerichtshof mit Juli das verpflichtende Bereitschaftssystem für Wochenenddienste der Ärzte. Ist also ein Hausarzt auch samstags und sonntags im Dienst, macht er dies freiwillig.

Wie etwa Elisabeth Hössl. Sie steht mittlerweile an den meisten Wochenenden im Bezirk zur Verfügung. Da sich zwei Ärzte innerhalb des Sprengels rund um die Gemeinden Marbach, Maria Taferl, Artstetten-Pöbring, Leiben, Klein-Pöchlarn und Emmersdorf gegen den Dienst aussprachen, drohten mehrere Wochenenden unbesetzt zu bleiben.

„Im Juli war das etwa einmal bei uns der Fall. Für einen Teil der Wochenenden – bis auf eines im September – habe ich mich jetzt bereit erklärt, zu übernehmen“, berichtet die Hausärztin, die ihre Praxis in Marbach hat. Für Hössl steht die Entscheidung, auch am Wochenende zu arbeiten, nicht zur Diskussion. „Das hat für mich etwas mit Verantwortung zu tun“, findet sie.

„Im Juli war das etwa einmal bei uns der Fall. Für einen Teil der Wochenenden habe ich mich bereit erklärt, zu übernehmen.“ Elisabeth Hössl, Ärztin

Wichtig zu betonen ist für die Ärztin aber auch, dass ein unbesetztes Wochenende keinesfalls mit einer „Lücke im Versorgungssystem“ gleichzusetzen ist. Nach wie vor sind im Bezirk Melk – anders als im Raum Wieselburg – alle Kassenordinationen besetzt. Findet sich einmal kein Arzt, der einen Dienst am Wochenende übernehmen möchte, kann ein Kollege aus dem Nachbarsprengel einspringen.

„Und für die Zeit, in der niemand in der Praxis ist, gibt es ja auch den Funkdienst und den Notruf“, meint sie. Apropos Notruf: Dass der Bereitschaftsdienst ohnehin nur für Notfälle da ist, sollten die Menschen laut Hössl wieder verinnerlichen. „Ich hatte während meiner Bereitschaft einmal einen Patienten, der wollte Sonntagfrüh die Ohren ausgespült bekommen“, erzählt sie. „Nicht gerade die Definition eines Notfalls.“

Auch vonseiten der Ärztekammer stuft man die Situation im Bezirk nicht drastisch ein. „Es ist leicht möglich, dass sich bis zum September noch ein Arzt findet, der diesen Dienst Mitte September übernimmt“, argumentiert Birgit Jung, Pressesprecherin der Ärztekammer.