Zwergrinder „Cleo“ und „Gina“ stets auf Reisen. Kaum waren die Zwergrinder „Cleo“ und „Gina“ in Mank angekommen, brachen sie aus. Erst Wochen später waren sie endlich daheim.

Von Michael Bouda. Erstellt am 24. März 2021 (04:28)
Das Ende einer langen Suche. Zuerst konnte „Gina“ eingefangen werden. Mittlerweile freut sich Anna Zöchbauer (Bild), dass auch „Cleo“ endlich am Hof in Mank ihr Zuhause „bezogen“ hat.
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Es war am frühen Abend des 20. Februar, als die Familie Zöchbauer auf ihrem Hof in Mank ihre Neuankömmlinge begrüßen wollte: vier Kühe, von der Rasse her Dexter-Rinder – kleine, robuste Zwergrinder irischer Abstammung, die es in der Region noch nicht gibt und die sie aus Laa/Thaya geholt hatten.

Aber es lief nicht alles nach Plan: Beim Abladen vom Anhänger nahmen die vier Jungrinder „reißaus“, flüchteten in alle Himmelsrichtungen. „Sie kannten uns nicht und stammen aus ganzjähriger Weidehaltung – sie sind das Laufen gewöhnt“, kann sich Anna Zöchbauer noch gut an die Szenen erinnern.

„Sie haben sich verhalten wie Rehe – immer wenn wir sie gefunden hatten, bemerkten sie das und liefen wieder davon.“Anna Zöchbauer

Sofort setzte die Familie Zöchbauer – Anna, ihre beiden Eltern Michaela und Franz sowie die Brüder Matthias, Georg und Franz-Max –, unterstützt von rund 30 Menschen aus der Umgebung, in Kleingruppen alles daran, die Rinder wieder einzufangen. Und die ersten Verfolgungsjagden waren auch gleich erfolgreich.

Von einer Motocross-Maschine aus konnte die kleine schwarze „Goldi“ gefangen werden, von der Ladefläche eines Pick-Ups aus die ebenfalls schwarze und mit kleinen Hörnern ausgestattete „Johanna“. „Es war wie im Wilden Westen“, lacht Zöchbauer, die sich bei den Nachbarn für die tatkräftige Hilfe bedankt.

Wenig Verständnis zeigten allerdings „Cleopatra“ – mit Spitznamen „Cleo“ – und „Gina“. Die beiden Ausreißer machten sich auf den Weg nach Haberg bei Bischofstetten. Und es sollte ein wochenlanges Katz-und-Maus-Spiel werden. „Das Problem war, dass sie uns zu Beginn immer einen Schritt voraus waren. Sie haben sich verhalten wie Rehe – immer wenn wir sie gefunden hatten, bemerkten sie das und liefen wieder davon“, spricht Zöchbauer sogar davon, dass die beiden Kälber nachts abwechselnd Wache hielten.

Anlocken funktionierte nicht, weil „Cleo“ und „Gina“ noch nicht mit ihren neuen „Gastgebern“ vertraut waren. Sie setzten sich in ein 40 Hektar großes Waldstück ab, wanderten mehrmals zwischen Oberhaag und Haberg hin und her.

Das Ende einer langen Suche. Zuerst konnte „Gina“ (Bild) eingefangen werden. Mittlerweile freut sich Anna Zöchbauer, dass auch „Cleo“ endlich am Hof in Mank ihr Zuhause „bezogen“ hat.
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Am „Krumpen“-Radweg dürften sie dann von ihrer Route abgekommen sein, woraufhin sie sich in Kohlenberg (Gemeinde Kilb) niederließen und sich zwei Wochen lang zwischen Kohlenberg, Rametzberg und Kilb zwar blicken, aber nicht fangen ließen. Insgesamt rund 400 Kilometer legten die beiden zurück, rechnete Zöchbauer nach.

Mit Ferngläsern, Wärmebild- und Wildkamera sowie Nachtsichtgerät war die Familie ausgestattet, die Fährten wurden verfolgt, stundenlang harrte man am Hochstand aus und übernachtete sogar am Heuboden eines Bauernhofs, zu dem „Cleo“ und „Gina“ dann immer wieder fressen kamen.

„Wir sind richtige Waldmenschen geworden“, lacht Zöchbauer, die nach und nach „den Spieß umgedreht“ hat – mit der Zeit wussten sie, wo die scheuen Tiere hinkommen würden.

„Sind froh, dass es so ausgegangen ist“

Am 13. März dann endlich ein Etappensieg: „Cleo“ wagte sich in besagten Stall, wo sie eingefangen werden konnte. „‚Gina‘ haben wir dann einen Tag nicht gesehen, aber zum Glück ist sie in der Region geblieben“, war Zöchbauer erleichtert. Das Schlechtwetter schien das Tier zunehmend müde zu machen, am 16. März kann die Familie den Ausreißer dann am Weg nach Freyen entlang der Sierning zu einem Schuppen treiben und einfangen – die 25-tägige Verfolgungsjagd ist endlich erfolgreich abgeschlossen.

„Wir sind froh, dass es so ausgegangen ist. Aber wir stehen jetzt noch automatisch um 3 Uhr Früh auf, weil wir glauben, die Kühe suchen zu müssen“, sagt Zöchbauer.

„Cleo“ und „Gina“ sind nun zusammen mit ihren Artgenossen im Stall, schon bald sollen sie auf den Wiesen der Familie weiden. Das Ziel ist, eine Herde aufzubauen. „Als Mutterkühe werden ‚Cleo‘ und ‚Gina‘ hoffentlich ein glückliches, langes Leben bei uns haben“, freut sich Zöchbauer und fügt hinzu: „Ich hoffe, dass sie uns nicht noch einmal abhauen (lacht).“