Feuerwehr-Jahr im Bezirk Melk: „Hatte so etwas noch nie erlebt“

2.602 Mal läuteten die Pager der Florianis im Bezirk 2021. Der Juli war besonders hart.

Erstellt am 15. Januar 2022 | 08:12
Lesezeit: 2 Min

Eigentlich wäre Roman Thennemayer am dritten Juli-Wochenende 2021 in den Urlaub gefahren. „Nach Kärnten, an den Klopeiner See“, erzählt er. Doch es kam anders für den Bezirksfeuerwehrkommandanten. Die Pflicht rief.

Die Pflicht rief im Vorjahr 1.602 Mal nach den Feuerwehren im Bezirk. So oft läuteten die Pager, so oft rückten sie zu Einsätzen im Bezirk aus. Zum Großteil handelte es sich um technische Einsätze wie etwa Verkehrsunfälle. Über 320 Mal wurden die Florianis gerufen, um Brände im Bezirk zu löschen. „Die Brandeinsätze waren im Vorjahr eigentlich überschaubar – von der Abwicklung her haben uns die Unwetter viel mehr gefordert“, berichtet Thennemayer. Zurück zum dritten Juli-Wochenende.

„Am Samstag, das war der 17. Juli, regnete es schon stark – so stark, dass die Gemeinden entlang der Donau den Hochwasserschutz für die Stufe eins aufbauten“, erinnert sich der Bezirksfeuerwehrkommandant zurück. Doch die Gefahr ging einen Tag später nicht von der Donau aus, sondern von den Flüssen und Bächen, die sich sonst recht unscheinbar durch die Region schlängelten. Durch die Regenmengen schwollen sie zu reißenden Strömen an. Um die vielen Unwettereinsätze an diesem Wochenende zu koordinieren, wurde die Zahl der Disponenten in der Bezirksalarmzentrale (BAZ) aufgestockt: Anstelle von einer Person waren vier im Dienst.

Die Flut von Aggsbach-Dorf: ein halbes Jahr danach

„Viele Gemeinden wurden in kurzer Zeit geflutet. Am schlimmsten war‘s, bekannterweise, in Aggsbach-Dorf.“ In diesen Teil Schönbühel-Aggsbachs rückte Thennemayer selbst zum Einsatz aus. Jener Ortsteil, der zum Katastrophengebiet erklärt wurde. „Ein Jahr zuvor wurde die Manker Region geflutet. Das war kein Vergleich zu dem, was 2021 in Aggsbach-Dorf passierte. Ich hab’ ja schon viel miterlebt, aber so etwas hatte ich in meinem Einsatzgebiet noch nie“, beschreibt Thennemayer. Die Aufräumarbeiten zogen sich über Tage, KD-Züge von Wehren aus anderen Bezirken rückten mit Sondergeräten an, um zu helfen. Das Bundesheer sicherte die eingestürzte Volksschule. „Ich bedanke mich für die gute Zusammenarbeit mit allen Einsatzkräften. Und vor allem bei den Wehren des Bezirkes: Darauf, dass wir uns immer auf sie verlassen können“, sagt Thennemayer.

Sechs Monate später beschäftigt die Flut die Menschen in Aggsbach-Dorf noch immer, wie Markus Kaufmann, Kommandant der örtlichen Feuerwehr, berichtet. „Es ist bereits viel aufgearbeitet worden, dennoch sind die Folgeschäden noch immer ein großes Thema. Es dauert sehr lange, bis alles fertig ist“, verweist er etwa darauf, dass im Feuerwehrhaus der Boden noch saniert werden muss. „Ich bin nur froh, dass niemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist.“