Nach Flucht im Bezirk Melk neue Freunde gefunden. Einsatzkräfte, Helfer und eine Afghanin, die 2015 den Iran verließ, ziehen über die Flüchtlingskrise Bilanz.

Von Denise Schweiger, Michael Bouda und Markus Glück. Erstellt am 20. November 2018 (03:36)
Gleiß, Schweiger
Die Afghanin Zohreh Safari kam 2015 nach Österreich. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Melk. Fotos: Gleiß, Schweiger

Über einen Monat waren sie unterwegs. Sechs Länder überquerten Zohreh Safari und ihr Mann Morteza mit ihrer kleinen Tochter Atena. Zum Großteil zu Fuß, mit all ihrem Hab und Gut in Rucksäcken. „Für eine bessere Zukunft“, erklärt Zohreh Safari heute.

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Die Afghanin Zohreh Safari kam 2015 nach Österreich. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Melk.

Die 26-jährige Afghanin lebte damals mit ihrer Familie im Iran. Ein Land, das für die junge Frau nicht viele Chancen bot: „Ich träumte davon, Astronomie zu studieren oder Krankenschwester zu werden.“

Doch diese Träume konnte die Afghanin im Iran nicht verwirklichen. „Als Jugendliche mussten meine Geschwister und ich arbeiten, um in die Schule gehen zu können“, erzählt Safari von stundenlangen Näharbeiten an Brautkleidern oder Kopftüchern.

„Es war allein meine Entscheidung. Hier fühle ich mich ohne Kopftuch einfach besser.“Zohreh Safari

Als schließlich ihre Tochter auf die Welt kam, fasste die junge Familie den Entschluss, ihre Heimat zu verlassen. „Es gibt dort keine Versicherung oder Unterstützung, die Möglichkeiten sind beschränkt. In Österreich hingegen kann jeder so leben, wie er möchte. Das ist das Schönste“, fühlt sich die Afghanin in ihrer neuen Heimat Melk wohl.

Ihr Mann arbeitet in Gottsdorf, die kleine Atena hat einen kleinen Bruder bekommen, alle sprechen und lernen Deutsch. In der Bezirkshauptstadt hat Safari aber nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch Freunde gefunden. Die 26-Jährige entschied sich nach einiger Zeit in Melk dazu, ihr Kopftuch abzulegen. „Es war allein meine Entscheidung. Hier fühle ich mich ohne einfach besser.“

Safari und ihre Familie mussten nicht lange auf einen positiven Asylbescheid warten, der Aufenthalt in einer Unterkunft für Asylwerber blieb ihnen weitgehend erspart.

Nicht so anderen 40 Asylwerbern, die von der Caritas in den vergangenen drei Jahren im Containercamp neben dem Stift Melk betreut wurden. Zahlreiche Ehrenamtliche und Freiwillige engagieren sich im Rahmen der Pfarrcaritas um die Integration von Flüchtlingen in den Gemeinden.

„Letztendlich war es eine positive Geschichte, die Bischofstetten erlebt hat“Bürgermeister Reinhard Hager

Aktuell wird noch eine vierköpfige Familie in der Grundversorgung in einer Mietwohnung in Melk versorgt. Die Familie hat zuvor im Containercamp im Stift gelebt, das im Vorjahr geschlossen wurde. Besonders erfreulich: Kein einziger Flüchtling aus dem Melker Asylquartier wurde abgeschoben.

In Bischofstetten waren in der Mehrzweckhalle über gut eineinhalb Monate Flüchtlinge für jeweils eine Nacht untergebracht. Es sei, vor allem zu Beginn, natürlich keine leichte Situation für den Ort gewesen, blickt Bürgermeister Reinhard Hager zurück. „Letztendlich war es aber eine positive Geschichte, die Bischofstetten erlebt hat“, verweist der VP-Ortschef auch auf die vielen Helfer.

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Bezirkskommandant Helmut Eder (v. l.) undder Ybbser Bezirksstellen-Geschäftsführer Hannes Haberfellner vom Roten Kreuz, Diakon Ronald Ehlers sowie Kommunikationsleiter Karl Lahmer und Flüchtlingshilfe-Leiterin Beate Schneider von der Caritas in der Bischofstettener Unterkunft 2015.

Helmut Eder, Bezirkskommandant des Roten Kreuzes Melk, war im Herbst 2015 federführend an der Unterbringung in Bischofstetten beteiligt. „Vom Roten Kreuz, über Bundesheer, Caritas und Team Österreich bis zur Gemeinde war alles sehr gut organisiert.“

Damals mit dabei war auch Caritas-Pressesprecher Karl Lahmer. In seinem Rückblick äußert er Unverständnis, dass rechtsstaatliche Verfahren so lange dauern. „Dass dann eine gut integrierte und gut Deutsch sprechende Familie mit drei Kindern Österreich verlassen muss, ist ein Skandal“, erzählt Lahmer von einem Fall in einer Gemeinde in der Nähe von Melk.

Politische Situation hat sich verändert

Angesprochen auf die vorherrschende Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung, spricht Lahmer davon, dass diese auch heute noch groß ist, allerdings ist die politische Situation eine andere: „Einige wenige Verantwortungsträger schreien laut, vergiften das gesellschaftliche Klima und wollen parteipolitisches Kapitel daraus schlagen. Dadurch sind die Menschen in den Gemeinden verunsichert.“

Großes Engagement bei der Integration von Flüchtlingen gab es in den letzten Jahren auch in Ybbs. Dort bemühte sich der Verein „Vielfalt Nutzen“ zu Beginn, die Flüchtlinge mit dem Nötigsten zu versorgen. „Jetzt ist unser Ziel, die Betroffenen zu integrieren und mit Deutschkursen zu fördern“, so Obmann Johann Voglhuber.

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