Erinnerungskultur in Melk: „Wollen nichts verbergen“. Im April 1944 wurden im Objekt 10 der Birago-Kaserne die Häftlinge des KZ Melk untergebracht. Erstmals gibt es jetzt organisierte Begleitungen durch das Areal.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 28. Juli 2018 (05:00)
Seit 70 Jahren prangert „Arbeit macht frei“ im Objekt 10 der Birago-Kaserne. Auf www.melk-memorial.org können Interessierte Begleitungen auswählen.
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In das Objekt 10 auf dem Gelände der Birago-Kaserne müssen Bundesheerler eigentlich nur, wenn sie Werkzeug, Gerätschaften oder andere Gegenstände aus dem Lager holen. Ab dieser Woche wird sich das allerdings ändern, denn in dem abgelegenen Schuppen verbirgt sich ein dunkles Kapitel von Melk:

Im Objekt 10 wurden 1944 die ersten Häftlinge des Konzentrationslagers Melk untergebracht. Der Versuch, Nazi-Parolen mit Farbe zu übermalen, ist mit der Zeit abgeblättert: „Arbeit macht frei“ ist dort nach über 70 Jahren immer noch auf den Holzbrettern zu lesen.

Mit der Zusammenarbeit von Heer und dem Verein „Merkwürdig“ sollen jetzt auch Grundwehrdiener und Soldaten mit der Geschichte der Kaserne verstärkt konfrontiert werden.

„Wir sind uns der Historie bewusst und haben etwa Schulklassen immer auf das Gelände gelassen“, betont Oberst Reinhard Koller. „Wir wollen nichts verbergen, ganz im Gegenteil. Das qualifizierte Personal für organisierte Begleitungen hat uns einfach gefehlt.“

„Wir wollten ein differenziertes Angebot schaffen und das ist uns jetzt gelungen.“Alexander Hauer, Verein "Merkwürdig"

Dass es bisher an ausgebildeten Guides und somit auch an regelmäßigen Begleitungen gescheitert ist, sieht auch der Obmann des Vereins „Merkwürdig“ Alexander Hauer so: „Wir wollten ein differenziertes Angebot schaffen und das ist uns jetzt gelungen.“

Berufsschullehrer Gunter Wolfsberger unternimmt mit seinen Schülern aus Pöchlarn seit 2011 Exkursionen in das KZ Melk. Dass es jetzt organisierte Touren für Soldaten und Interessierte durch das Kasernengelände gibt, freut ihn. „Es hat mich immer schon verwundert, warum man die Grundwehrdiener beim Einrücken nicht schon über die Geschichte aufklärt. Die Jugendlichen verbringen schließlich Monate in der Kaserne“, findet Wolfsberger.

Einen Wermutstropfen gibt es für den Lehrer aber noch: „Es gibt auf dem gesamten Areal keine Gedenktafel, die darauf hinweist, dass hier einmal ein KZ war.“