Die Rehkitze-Rettung kommt von oben. Bevor Bauern Wiesen mähen, durchforsten Jäger sie per Drohne auf Rehkitze. Die NÖN begleitete sie bei einer Rettungsaktion.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 23. Juli 2019 (05:45)

Tagwache vier Uhr morgens, rein in die Gummistiefel und raus aufs Feld. Wer Kitze retten will, muss früh aufstehen. Die Jagdgesellschaft Bischofstetten durchforstet Felder und Wiesen auf Rehkitze, ehe die Landwirte mit den Rasenmähern anrücken. Und zwar seit dem Vorjahr mit einem fliegenden Gehilfen: Per Wärmebilddrohne entdecken die Jäger die versteckten Tierbabys erst auf dem Bildschirm, dann im meterhohen Gras.

„Früher sind wir die Felder zu Fuß durchgegangen, Meter für Meter. Das hat Stunden gedauert“, erinnert sich Jagdleiter Reinhard Muhr zurück. Jetzt lassen sie die Drohne in bis zu 50 Metern Höhe über das Land ziehen. Mit dem Morgengrauen starten die Jäger ihre Suchaktionen, ohne Sonnenlicht fängt die Kamera bloß die Körperwärme der Kitze ein. Daher sind die Rettungsaktionen mit der Drohne auch ein Wettlauf mit der Zeit: Ist die Sonne einmal aufgegangen, verfälscht sich das Ergebnis der Wärmebildkamera.

Jährlich sterben 450 Rehkitze dem Mähtod

Erscheint ein kleiner weißer Punkt, machen sich die Jäger auf den Weg, um das kleine Reh zu fangen. „Wenn die Landwirte mit den Mäharbeiten fertig sind, lassen wir sie wieder frei“, erläutert Muhr. Und tatsächlich: Insgesamt fünf Kitze spüren die Jäger an diesem Morgen auf. „Auch wenn es für uns Jäger aufwendig ist, machen wir das gerne. Wir retten dadurch Leben“, strahlt der Jagdleiter.

Für Bezirksjägermeister Bernhard Egger sind die Bischofstet-tner Jäger ein Vorbild. Im Durchschnitt fielen im Bezirk Melk in den letzten Jahren jährlich 450 Rehkitze dem Mähtod zum Opfer. „Und das sind nur die offiziellen Zahlen, die tatsächlichen Mähverluste dürften noch wesentlich höher sein. Ich bin davon überzeugt, dass sich der Trend um die Kitzrettung per Drohne durchsetzt.“