Vorstellungsgespräch: „Können Sie Lesen, Herr Kane?“. Rassismus ist bei Weitem kein alleiniges Problem der USA. Joseph Kane aus Loosdorf berichtet über seine Erfahrungen in Österreich.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 04. Juli 2020 (05:54)
Joseph Kane berichtet offen über seine Erfahrungen als schwarzer Mensch in Österreich. Mit seiner Lebensgefährtin Kristina Kreutzer und ihrer gemeinsamen einjährigen Tochter lebt die Familie in Loosdorf.
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Joseph Kane entschuldigt sich im Gespräch oft, dass er „nicht so gut“ Deutsch spreche. Und dass, obwohl er gut verständlich spricht.

Joseph Kane aus Loosdorf, geboren im westafrikanischen Mali, spricht viele Sprachen fließend, etwa Französisch oder mehrere afrikanische Dialekte, schloss eine katholische Privatschule mit Matura ab. Trotzdem wird er bei einem Job-Interview/Vorstellungsgespräch in St. Pölten gefragt, ob er überhaupt lesen und schreiben könne.

„Meine Herkunft ist für manche ein Grund dafür, dass ich nicht für intelligent gehalten werde“, meint er. Im Zuge der internationalen „Black lives matter“-Demos wird der Rassismus gegenüber schwarzen Menschen laut. Die NÖN bat Kane, seine Erfahrungen zu schildern.

„Ich bin ein positiver Mensch und blicke optimistisch in die Zukunft. Wenn diese jedoch gefährdet ist, berührt es mich tief.“

Vor sechs Jahren kam Kane nach Österreich. In Mali herrschte Krieg und er musste das Land verlassen. Er kam nach Österreich und arbeitete als Koch in Wien. Dort bekam Kane oft Rassismus zu spüren – sei es im Alltag oder in der Arbeit. Menschen standen etwa in der U-Bahn auf, als er sich zu ihnen setzte. Ein Arbeitskollege meinte einmal, er solle sich „die Hände waschen, bis sie sauber sind.“

„Wenn Dinge dieser Art geschehen, ärgert es mich, ich kann es aber ganz gut hinter mir lassen“ meint er. „Ich bin ein positiver Mensch und blicke optimistisch in die Zukunft. Wenn diese jedoch gefährdet ist, berührt es mich tief.“ Bei seinem ersten Antritt zur Lehrabschlussprüfung war dies etwa der Fall.

Trotz seiner langjährigen Berufserfahrung in Mali wollte er die österreichische Lehrabschlussprüfung zum Koch ablegen. Seine Ausbildner schätzten ihn, er unterstützte seine Kollegen. Seine Prüfer ließen ihn aber durchfallen – ohne überhaupt seine Speisen gekostet zu haben. Kane war schwer getroffen, trat aber ein zweites Mal an. Und bestand.

Trotz dieser Erfahrungen blieb Kane seinem Optimismus treu. Heute ist er Koch im Schallaburg-Restaurant, glücklich in einer Beziehung und Vater einer einjährigen Tochter. Seit einem Jahr lebt er mit seiner Familie in Loosdorf. „Ich war am Anfang skeptisch, da in Wien mehr Menschen unterschiedlicher Herkunft leben, aber es geht uns wirklich gut hier“, sagt Lebensgefährtin Kristina Kreutzer.

Bilder von George Floyd, dem Auslöser von „Black lives matter“, der aufgrund von Polizeigewalt in den USA starb, bewegen Kane. „Es tut weh, ich kann es nicht verstehen. Ich selbst hatte nie große Probleme mit der Polizei. In Wien wurde ich aber zweimal auf Drogen gecheckt.“

Zara: 1.950 Vorfälle in einem Jahr gemeldet

2019 wurden 1.950 rassistische Vorfälle in Österreich gemeldet. Wie man Menschen für dieses Thema sensibilisiert? Einerseits seien Politik und Medien gefordert, andererseits jeder Einzelne, meint Meike Kolck-Thudt vonseiten der Organisation „Zara“, Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit.: „Es ist wichtig, dass wir bei rassistischen Vorfällen Zivilcourage zeigen und diese melden.“