Engelbert Jonas: „Allein ist‘s natürlich fad“. Die neue Corona-Verordnung verbietet Indoor-Proben über sechs Personen. Was das für die Musikkapellen im Bezirk Melk bedeutet, erläutert Engelbert Jonas.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 28. Oktober 2020 (04:10)
Engelbert Jonas, Melks Bezirksobmann des Blasmusikverbandes.
privat

NÖN: Herr Jonas, in einem Schreiben des österreichischen Blasmusikverbandes ist aufgrund der neuen Corona-Verordnung von einem „Lock-Down der Blasmusik“ die Rede. Wie schlimm ist es?

Engelbert Jonas: Es ist schlimm und es ist schlecht, aber es ist so. Wenn die Vorgaben nun so lauten, werden sich auch alle daran halten, das steht außer Frage.

Konkret sprechen wir hier von der Vorgabe für Proben und künstlerischen Darbietungen. Indoor-Proben sind seit Sonntag nur bis sechs Personen möglich, im Freiluftbereich sind es zwölf.

Jonas: Vorher waren Proben möglich, wenn das Musikheim groß genug war und die Plätze zugewiesen wurden. Jetzt geht das nicht mehr. Der Frust ist mittlerweile groß. Manche werden’s in Gruppen probieren, manche werden’s wohl ganz bleiben lassen.

Wie praktikabel ist diese Verordnung, wie viele Musiker sind im Durchschnitt in einer Kapelle?

Jonas: Wir haben im Bezirk 40 Kapellen, 39 im Verband, und wir sprechen von über 40 Personen pro Kapelle. Sich für Proben aufzuteilen ist g‘scheiter als nix, aber ideal ist etwas anderes.

Sie sagten, der Frust unter den Musikanten ist groß. Welche Rückmeldungen bekommen Sie?

Jonas: Eines haben wir, auch im Verband, gemerkt: Wenn das über den ganzen Winter so geht, werden sicher einige aufhören. Das wird die größte Herausforderung, nicht nur für die Musikkapellen, sondern auch für andere Vereine. Dass es keine Auftritte gibt, ist ebenso ein Problem. Die Einnahmen gehen uns ja auch ab.

Wie sehen Sie persönlich die neuen Vorgaben?

Jonas: Ich bin seit 55 Jahren bei der Musik und probe aktuell im Kämmerlein zu Hause. Allein ist‘s natürlich fad. Unser letztes Blasmusikkonzert war am 11. März in Kirnberg. Mich hat jemand gefragt, ob ich das denn aushalte, wenn wir nicht spielen und ich nicht jede Woche aus der NÖN lache. Es geht natürlich, aber es fehlt etwas.