Frauenmord hält ganz Ybbs in Atem. Dramatische Szenen spielten sich in einem Keller eines Einfamilienhauses ab. Aus Eifersucht erstach ein Ybbser seine Ehefrau. Er sitzt in U-Haft.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek und Markus Glück. Erstellt am 21. Januar 2020 (05:10)
„Home Sweet Home“ prangt auf dem Haus in Ybbs, in dem am vergangenen Mittwoch ein Ehemann seine Ehefrau ermordete.
Plutsch

Ausnahmezustand am Mittwochabend in Ybbs. Ein länger andauernder Beziehungsstreit eskalierte: Ein 50-jähriger österreichischer Staatsbürger erstach seine 42-jährige rumänische Ehefrau. Der Ex-Kicker wurde noch am Tatort von der Polizei festgenommen.

Dramatische Szenen spielten sich in dem beschaulichen Einfamilienhaus in einer Siedlung in Ybbs ab. Schon seit Weihnachten vermutete der Ehemann, dass seine Frau ein Verhältnis habe. Beweise lieferten ihm Chatverläufe auf Facebook. „Er hat ihren Account gehackt und so von dem anderen Mann erfahren“, berichtet seine Verteidigerin Astrid Wagner im NÖN-Gespräch. Gemeinsam mit Florian Höllwarth hat sie die Verteidigung übernommen. Immer wieder entfachte ein Streit zwischen der Mutter zweier Kinder (16 und 18) und dem eifersüchtigen Mann. Am Mittwochabend brannten bei dem Tatverdächtigen dann die Sicherungen durch.

„Als er seine Frau wieder auf ein Verhältnis ansprach und sie es leugnete, sah er rot“, erzählt Wagner. Unzählige Male stach er ihr in den Hals. Trauriges Detail: Sie schnitt gerade ihrem gemeinsamen Sohn die Haare. Der 16-Jährige musste die Tat mit ansehen. Er leistete noch an Ort und Stelle Erste Hilfe. Doch es war zu spät, seine Mutter verblutete im Keller. Der Junge alarmierte die Polizei. Diese nahm seinen Vater sofort fest und sicherte die Tatwaffe. Die beiden Jugendlichen wurden von einem Kriseninterventionsteam betreut. Bei den ersten Vernehmungen schwieg der Brauerei-Angestellte noch.

Mörder beschattete monatelang seine Frau

„Mein Mandant war nicht bei sich, als er die Tat verübte“, stellt die Anwältin klar. Weiters führt sie an, dass er die Tat bereue. Fakt ist: Monatelang beschattete er seine Frau – sogar mittels GPS-Tracker hatte er ihr Auto ausgestattet. Einige Stunden vor der Tat setzte er unter ihr Profilbild auf Social Media einen virtuellen Blumenstrauß.

Mittlerweile sitzt der Verdächtige in der Justizanstalt in St. Pölten. „Die in Auftrag gegebenen psychiatrischen Gutachten werden weitere Aufschlüsse über den mentalen Zustand meines Mandanten geben“, sagt Wagner. Sie und Höllwarth werden mit höchster Wahrscheinlichkeit auf Totschlag plädieren.

Geschockt von der Bluttat zeigt sich auch SP-Bürgermeister Alois Schroll, der selbst nur rund 100 Meter Luftlinie vom Tatort entfernt wohnt: „Wir sind schockiert und es zeigt, dass so etwas überall passieren kann. Unsere Anteilnahme gilt den beiden Kindern, diese werden vonseiten der Stadtgemeinde sämtliche Unterstützung erfahren.“ Als Reaktion wurde noch am Donnerstag das Ybbser Rathaus schwarz beflaggt, in den Schulen, in denen es einige Freunde der Kinder gibt, eine Trauerminute abgehalten. Groß ist auch die Hilfsbereitschaft für die Kinder des Mordopfers. Da sich mehrere Ybbser im Rathaus mit dem Anliegen meldeten, die Kinder unterstützen zu wollen, richtete die Stadtgemeinde ein Spendenkonto ein.

„Ich habe selbst mit ihm gespielt und hätte ihm so eine Tat niemals zugetraut. Ich bin fassungslos.“Ein Ex-Fußballkollege über den Verdächtigen

Tief sitzt der Schock auch unter der Bevölkerung. Der geständige Täter spielte sowohl beim ASK Ybbs als zuletzt auch beim FC Sarling Fußball. „Ich habe selbst mit ihm gespielt und hätte ihm so eine Tat niemals zugetraut. Ich bin fassungslos“, erklärt ein Ybbser. Eine Bekannte des Paares kann die Tat auch Tage später nicht glauben: „Es war eine fleißige und sparsame Familie. Ich kann sie nur als liebevolle Familie beschreiben.“

Der Bruder des Täters ist aktuell beim rumänischen Fußballverband engagiert. Zwischen ihm und Schroll gab es einen Tag nach der Schreckenstat ein Telefonat. „Er versucht, so schnell als möglich nach Ybbs zu kommen, und hat sich für unsere Unterstützung und Hilfe bedankt“, sagt Schroll.

Maria Reichartzeder vom Frauenhaus Amstetten warnt davor, dass Gewalt und ihre Gefahren, in der sich Betroffene befinden, noch immer unterschätzt werden. „Die gefährlichsten Momente in einer belasteten Beziehung sind es, wenn eine Trennung angekündigt wird“, rät Reichartzeder betroffenen Frauen, im Vorfeld Kontakt mit einer Hilfestelle aufzunehmen. In Niederösterreich widerfuhr Frauen 2019 viel Gewalt. Insgesamt wurden in Österreich 34 Frauen erstochen, erschlagen oder erwürgt, in Niederösterreich gab es 14 Morde, 1.400 Wegweisungen von der Polizei wurden ausgesprochen.