„Ja, das Hakenkreuz musste auf das Plakat“. Werbung für Schauspiel der Bühne Loosdorf sorgte für Aufsehen. Regisseur Leopold Mayrhofer steht zur Sujetwahl.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 27. Februar 2018 (04:00)
Rund 20 Laienschauspieler stehen auf der Bühne, wenn die Loosdorfer Theatergruppe Heinz Rudolf Ungers „Zwölfeläuten“ aufführt. Darunter auch Kinder – sie spielen die Hitlerjugend.
Bühne Loosdorf, Schweiger

Roter Hintergrund, weißer Kreis, schwarzes Hakenkreuz. Wie sehr das Symbol der Nazis noch polarisiert, stellte jetzt das Plakat der Bühne Loosdorf unter Beweis. Die Laienschauspieler bringen zum
80. Gedenkjahr der Machtergreifung Hitlers Heinz Rudolf Ungers „Zwölfeläuten“ auf die Bühne (die NÖN berichtete).

Regisseur Leopold Mayrhofer steht auch auf der Bühne: Er spielt den Kreisleiter Uwe Schmitt im Stück „Zwölfeläuten“.
Bühne Loosdorf, Schweiger

Mit Rückmeldungen hatte Regisseur Leopold Mayrhofer natürlich gerechnet – aber von der Vielzahl war er schon überrascht. „Die erste Woche war massiv. Und es kamen sowohl politisch linke Kommentare, als auch rechte“, erzählt Mayrhofer. Die meist gestellte Frage: Muss es denn wirklich dieses Symbol sein? Für den Regisseur eine klare Sache: „Ja, das Hakenkreuz musste auf das Plakat. Es gehört zum Stück und zur Zeit, in der es spielt.“

Außerdem gibt das Plakatsujet einen Vorgeschmack auf das, was die Laiendarsteller dem Publikum präsentieren. Denn: Die Hakenkreuz-Fahnen sind auf der Bühne gehisst, mit „Heil Hitler“ wird gegrüßt. „Wer das nicht aushält oder sich damit nicht befassen möchte, weiß aufgrund des Plakats schon, was auf ihn zukommt“, erklärt Mayrhofer.

Kinder tragen Uniformen im Stil der Hitlerjugend

Hakenkreuz auf dem Plakat, auf den Fahnen, auf den Uniformen. Und – wie es das Stück verlangt – auch auf den Oberarmen der Kinder, die die Hitlerjugend spielen. Sie singen auch ein Lied aus der NS-Zeit. „Da gab es vorher intensive Gespräche mit den Kindern und den Eltern. Wir legen Wert darauf, dass sie verstehen, was sie da vortragen“, betont der Regisseur.

Seit Anfang Jänner laufen die Proben, die Uniformen und das Bühnenbild stellte die Theatergruppe selbst her. „Mir ist wichtig, dass wir den Spagat zwischen gesellschaftlichem Spiegel und Unterhaltung schaffen. Ich will das Publikum auf emotionaler Ebene erreichen – und dieses Stück geht unter die Haut“, zeigt sich der Regisseur schon voller Vorfreude auf die Premiere am Freitag, 2. März.

Die deutschen Nationalsozialisten machten das Hakenkreuz 1920 zu ihrem Kennzeichen. Seit Kriegsende ist es in vielen Ländern verboten. Eigentlich reicht die Geschichte des Symbols aber länger zurück: Swastika (Kreuz mit vier gleich langen, angewinkelten Armen) sind Glückssymbole im Hinduismus oder Buddhismus.