Nach Aufregung um Theaterstück: „Gehört zur Geschichte“. „Zwölfeläuten“ der Bühne Loosdorf sorgte im Vorfeld für Aufsehen. Die NÖN sprach nach der Premiere mit zwei jungen Darstellern über das Stück und den Wirbel um die Plakate.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 06. März 2018 (05:00)
Schweiger
Als der Kreisleiter (Leopold Mayrhofer) samt SS-Sturmbahnführer (Leander Peichl) ins beschauliche Sankt Sebastian kommt, heißt die Hitlerjugend rund um ihre Leiterin (Nicole Bruckner) die beiden mit einer musikalischen Darbietung willkommen.

Premierenabend für „Zwölfeläuten“ der Bühne Loosdorf. Neun Kinder stehen auf der Bühne. Sie schreien aus voller Lunge „Heil Hitler!“, salutieren und singen ein Lied der Hitlerjugend. Unter ihnen ist die zehnjährige Lisa Amon. Sie tritt vor und trägt ein Gedicht aus der NS-Zeit vor. Totenstille herrscht im Saal, alle Augen sind auf sie gerichtet. So reagierte das Publikum – und was sagt die kleine Lisa zu dieser Szene?

„Ich finde den Text blöd, also vom Inhalt her“, meint die Zehnjährige, fügt aber hinzu: „Ich hab ihn aber trotzdem schnell gelernt, immerhin ist das meine Rolle. Schauspieler können sich das ja nicht aussuchen.“

Mayrhofer: "Wichtig sich mit Thema zu befassen"

NOEN, Schweiger
Paul Walzl aus Albrechtsberg und Lisa Amon aus Neubach standen der NÖN nach der Premiere Rede und Antwort.

Dass der geschichtliche Hintergrund bei den Proben besprochen wurde, war für sie wichtig. Das sieht auch der dreizehnjährige Paul Walzl, ebenso Darsteller, so: „Diese Zeit gehört eben zur österreichischen Geschichte dazu. Das ist zwar nicht schön, aber es war so.“

Noch bevor das Stück erstaufgeführt wurde, meldeten sich viele aufgrund der Hakenkreuz-Plakate bei Regisseur Leopold Mayrhofer. Das hat auch Paul mitbekommen. „Warum soll man das nicht spielen dürfen? Es ist wichtig, sich mit dem Thema zu befassen“, zuckt Paul mit den Schultern.

 

Zeitzeugin im Publikum kämpfte mit den Tränen

Nachgefragt bei Mayrhofer, kann er nach anfänglichem Zores wegen dem Plakatsujet aufatmen – die Rückmeldungen aus dem Publikum sind nämlich durchwegs positiv. „Die Vorstellungen am Premierenwochenende waren alle ausverkauft. Bis auf eine kritische Stimme hörten wir bis jetzt nur Lob“, strahlt der Regisseur, und fügt hinzu: „Aber das größte Kompliment haben wir von einer Zeitzeugin bekommen.“

Die betagte Dame kam nach der Vorstellung zu Mayrhofer und verriet ihm, dass sie die erste Stunde mit den Tränen kämpfen musste. „Das Stück erinnerte sie an diese Zeit in ihrem Leben. Danach lobte sie aber unsere Inszenierung. Was für eine Anerkennung bei so einem Stück“, zeigt sich Leopold Mayrhofer stolz.