Informationsabend in Melk stieß auch auf Kritik. Unternehmen informierte über das geplante Werk. Publikum tat vor allem Unmut kund.

Von Michael Bouda und Markus Glück. Erstellt am 05. Juli 2019 (06:27)
Melks VP-Bürgermeister Patrick Strobl, Robert Edlauer, Robert Zideck, Katharina Huber, Peter Krömer, Ute Risinger und Josef Gaß (v. l.).
Bouda

Heiß diskutiert ist die geplante Zitronensäurefabrik des Unternehmens Jungbunzlauer vor allem in der Standortgemeinde Zelking-Matzleinsdorf. Vergangener Woche lud erstmals die Stadt Melk zu einem Informationsabend, um die möglichen Auswirkungen der Anlage auf die Stadtgemeinde zu diskutieren.

Den Anfang bildete ein Vortrag von Josef Gaß, Vizepräsident im Bereich Produktion, unterstützt von Projektmanager Robert Edlauer und Landschaftsplaner Robert Zideck. Die Conclusio: Für die Stadt Melk seien auf Basis verschiedener Analysen weder Belastungen durch Geruch noch durch Licht, Lärm oder Feinstaub zu erwarten. Diese Analysen sind auch Gegenstand der Umweltverträglichkeitsprüfung, deren Vollständigkeitsprüfung im Juli positiv abgeschlossen sein sollte.

Im Anschluss an den Vortrag stellte sich das Team samt den beiden Rechtsanwälten Peter Krömer und Katharina Huber den Fragen der Zuhörer, die aus der Bezirkshauptstadt selbst sowie umliegenden Gemeinden kamen. Der Tenor war kritisch. Grundsätzlich wurde diskutiert, warum die Informationsveranstaltung erst im nun bereits fortgeschrittenen Stadium stattfinde. Unter anderem führte VP-Bürgermeister Patrick Strobl als Grund dafür an, dass man erst über etwas diskutieren könne, wenn alle Fakten bekannt seien.

Eine Frage, die sich in unterschiedlicher Form wie ein roter Faden durch den Abend zog: Was könne die Gemeinde, was könne eine Einzelperson tun, wenn sich die vom Unternehmen präsentierten Prognosen als unrichtig herausstellten. „Ich kann Ihren schönen Worten nicht ganz glauben“, war beispielsweise zu hören.

Für Unbehagen seitens des Publikums sorgte auch die Thematik, inwiefern in der Zukunft mit einem Ausbau der Produktionsstätte zu rechnen sei. Josef Gaß entgegnete, dass es keine Intention gebe, dass die Anlage sofort weiter wächst. Nach knapp zweieinhalb Stunden war die Veranstaltung zu Ende.

Grüne kritisieren Ablauf des Infoabends

Auch danach bleibt die Kritik der Grünen aufrecht. In einem Schreiben an die NÖN übermittelte Grünen-Parteichefin Bettina Schneck die Eindrücke der Mitglieder. Zwar freue man sich, dass die ÖVP dem Vorschlag der Grünen nachgekommen sei, einen Informationsabend zu veranstalten, allerdings stößt die Art und Weise der Durchführung auf Kritik.

So wurde die Veranstaltung laut Schneck viel zu kurz angesetzt und die Bürger seien von der Stadtgemeinde nicht offiziell eingeladen worden. Ihr Fett ab bekommen hat auch VP-Stadträtin Ute Reisinger, die den Event moderierte, und Patrick Strobl. „Seine Plädoyers machten eher den Eindruck, als wären diese eher Wirtschafts- als Volksvertreter. Ein absolutes No-Go für uns. Für so eine Veranstaltung braucht es eine neutrale Moderation“, kritisiert Schneck.

Laut Grünen wurden auch einige Fragen von der Firma nicht beantwortet oder ernst genommen: „Die berechtigten Sorgen der Melker bleiben so bestehen.“