Erstellt am 21. Juni 2011, 07:44

Cessna stürzte in Italien ab: 3 Tote. TRAGÖDIE / Zwei Wieselburger und ein Gottsdorfer kamen bei Flugzeugabsturz nahe Bobbio ums Leben.

 |  NOEN
VON CHRISTIAN EPLINGER UND WALTER FAHRNBERGER

GOTTSDORF, ITALIEN  / Die ligurische Küste war das eigentliche Ziel, mit dem am Samstagmorgen der 63-jährige Hans Gutmann aus Wieselburg mit einer neuen Cessna 172 sowie der Ybbser Karl Brandstetter mit seiner Lancia vom Flugplatz in Leutzmannsdorf aufgebrochen waren. An Bord der Cessna waren noch der 59-jährige Hans Siedler aus Gottsdorf sowie der 37-jährige Reinhard Holl aus Ströblitz (Wieselburg-Land). Karl Brandstetter flog gemeinsam mit seiner Tochter Kerstin - beide ausgebildete Piloten. In Nötsch im Gailtal in Kärnten war der erste Zwischenstopp. Danach steuerten die beiden Flieger den Badeort Albenga in Ligurien an. Allerdings landete dort nur mehr die Lancia von Karl Brandstetter. Die Cessna war im Apennin unweit der norditalienischen Stadt Piacenza abgestürzt.

Wettervorhersagen für Norditalien waren sehr gut
„Wir hatten den schnelleren Flieger und sind, obwohl wir erst nach Hans weggeflogen sind, zehn Minuten vor dem zweiten Flugzeug gewesen. Die Wettervorhersagen in Nötsch für Norditalien waren sehr gut. Es war bis auf einige Sturmböen in den Bergen ein ruhiger Flug“, berichtet Karl Brandstetter, der Obmann der Sportfliegergruppe Ybbs, im NÖN-Telefonat.

Der Sturm in den norditalienischen Bergen dürfte aber, nachdem Karl Brandstetter diesen schon passiert hatte, noch stärker geworden sein. Das bestätigt auch Astrid Semmelmayer, die sich zu dieser Zeit zufällig mit einer Ybbser Delegation in der Ybbser Partnerstadt Bobbio aufhielt. „Es waren keine Unwetter, aber extreme Sturmböen, die wir sogar am Boden stark zu spüren bekamen. Kurz vor halb eins ertönten dann in Bobbio die Sirenen und Rettung und Feuerwehr rückten aus. Gegen Nachmittag haben wir vom Bürgermeister erfahren, dass ein österreichisches Flugzeug rund 15 Kilometer von Bobbio entfernt abgestürzt ist“, schildert Astrid Semmelmayer, die in Folge auch als Dolmetscherin vor Ort agierte.

Augenzeugen in Bobbio hatten gesehen, wie das Flugzeug abgestürzt war. „Es soll sogar zwei Kurven gemacht haben und dann frontal in den Wald abgestürzt sein“, erzählt Semmelmayer. Das Flugzeug fing sofort Feuer. Ein Hubschrauber konnte innerhalb weniger Minuten nach der Alarmierung die Cessna lokalisieren. Allerdings war diese in einer schwer erreichbaren Berggegend abgestürzt.
Erst nach einer Stunde schaffte es die Rettungsmannschaft, das Flugzeug zu Fuß über steile Bergwege zu erreichen. Während Gutmann und Siedler bereits tot waren, konnten die Rettungskräfte Reinhard Holl rund 20 Meter entfernt vom Wrack noch schwer verletzt bergen. Sein Zustand war von Anfang an sehr kritisch.

Reinhard Holl war bei der Bergung noch ansprechbar
Der Hubschrauber flog Holl ins Krankenhaus von Parma. „Wir haben alles Mögliche getan, um ihm das Leben zu retten. Wir waren anfangs optimistisch, weil er mit uns noch gesprochen hatte“, berichtete der Carabinieri-Kapitän Fabio Longo. Doch auch für Holl gab es letztendlich keine Hilfe mehr. Am Sonntagvormittag verstarb er infolge der Brandwunden auf 75 Prozent seines Körpers. Zudem hatte er schwere Frakturen erlitten.
Karl Brandstetter war am Sonntag von Albenga zurück nach Parma geflogen. Er sollte den Verletzten und die beiden Toten identifizieren. „Leider kamen wir zu spät. Reinhard war eine Stunde zuvor verstorben“, schildert Brandstetter.

Luftfahrtbehörde ermittelt wegen Unglücksursache
Wie es zum Unglück gekommen ist, lässt sich derzeit nur mutmaßen. Die italienische Luftfahrtbehörde ANSV leitete eine Untersuchung ein. Gutmann war einer der erfahrensten Piloten der Leutzmannsdorfer Sportfliegergruppe. „Es kann durchaus sein, dass aufgrund der überraschend aufgetretenen starken Windböen irgendetwas gebrochen ist und die Maschine manövrierunfähig war. Denn Hans Gutmann war unser erfahrenster Pilot. Jeder war froh, wenn er mit ihm geflogen ist. Er hatte auch immer alles sorgfältig gecheckt. Ein Fehler ist ihm praktisch nie unterlaufen“, weiß Brandstetter, der am Sonntagabend mit den italienischen Behörden noch die Unglücksstelle besichtigte.

„Gewissermaßen war es noch Glück im Unglück, dass die Absturzstelle in der Nähe der Ybbser Partnerstadt Bobbio lag und auch eine Ybbser Delegation anwesend war. Denn dadurch sind wir vor Ort bestens betreut worden. Alle sind sehr bemüht“, schildert Karl Brandstetter, dem das Unglück selbst auch stark zugesetzt hat. „Ich bin heute mit sehr gemischten Gefühlen in das Flugzeug gestiegen“, gestand Brandstetter.