Die Mitarbeiterkrise der Gastro und eine kreative Antwort aus Melk

Erstellt am 19. Januar 2022 | 04:08
Lesezeit: 3 Min
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Tamás Fodor ist seit 2015 im Rathauskeller-Team – und der „ungarische Bruce Willis“, geht es nach Chef René Reinmüller. Das Mitarbeiter-Sujet ist vom Plakat des Kult-Actionfilms „Stirb langsam: Jetzt erst recht“ aus dem Jahr 1995 inspiriert.
Foto: Foto/Grafik: Rat-hauskeller Melk
Mitarbeitersuche in der Gastro hat sich durch Corona verschärft. Wirtesprecher Mario Pulker schlägt Alarm – und ein Melker Betrieb bekämpft die Krise mit Kreativität.
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Cooler Blick zur Seite, Asche auf dem weißen Feinripp-Unterhemd, Explosion im Hintergrund. Die Rede ist von Bruce Willis auf dem Kinoposter des Actionfilms „Stirb langsam 3“ – aber auch von Tamás Fodor. Für die neue Mitarbeiter-Kampagne im Melker Rathauskeller schlüpfte der Chef de Rang in die Rolle des legendären John McClanes.

„Das hat einfach perfekt gepasst. Er ist der ungarische Bruce Willis“, lacht René Reinmüller, Chef im Rathauskeller. Um neues Personal zu finden, griff man im Melker Betrieb in die (Film-)Trickkiste. „Grundsätzlich ging es uns darum, aufzufallen. Wir wollen unsere Mitarbeiter als Helden in Szene setzen – und da wir große Filmfans sind, kam uns die Idee“, berichtet er. Es folgen noch weitere Sujets, man hofft auf viele Bewerbungen. Denn es gibt einige freie Stellen im Rathauskeller: „Drei bis vier Köche wären super, ebenso drei bis vier Mitarbeiter im Service.“

Wie akut der Personalmangel in der Gastro mittlerweile geworden ist, weiß auch Helmut Fischer. „Offene Stellen, Köche wie Kellner, sind ganz, ganz schwer zu besetzen“, erläutert der Melker AMS-Geschäftsstellenleiter. Die Pandemie habe die – ohnehin schon schwierige – Mitarbeitersuche „erheblich verschärft“: „Da spielen auch gesellschaftliche Entwicklungen hinein. Man wird wohl als Arbeitgeber in der Gastro noch flexibler werden müssen. Es geht heute oftmals nicht mehr ums Geld, sondern etwa um die Arbeitszeiten.“ Genau das ist aber auch die Krux an der Sache: Ein mitarbeiterfreundlicher Dienstplan funktioniert schließlich auch nur dann, wenn man genügend Mitarbeiter hat.

Pulker: „Notfallpläne“ für den Sommer schmieden

Angesprochen auf die Situation in der Gastronomie zeichnet Mario Pulker jedenfalls kein allzu rosiges Bild. „Wir haben viel Personal verloren, einerseits weil sie in andere Branchen abgewandert sind, andererseits weil auch die Lehrlingsausbildung in Pandemiezeiten zum Teil ja gar nicht möglich war“, berichtet Österreichs Wirte-sprecher und Inhaber des Hotel Residenz Wachau in Schönbühel-Aggsbach. Der Sommer werde eine Herausforderung. „Ich rate allen dazu, sich zu überlegen, wie sie den Sommer in dieser Mitarbeiterkrise schaffen wollen“, verweist er auf „Notfallpläne“. Soll heißen: je nach Situation das Angebot abspecken oder die Öffnungszeiten anpassen. Alternativen seien naturgemäß immer besser, als zuzusperren: „Es gibt aber jetzt schon so viele, die ihre Betriebe abgeben wollen, wie noch nie.“

Wie aus dieser „Mitarbeiterkrise“ kommen, ist also die Frage. „Man wird eingefahrene Wege verlassen, weiter Personal aus anderen Ländern ansprechen müssen“, sagt Pulker. Oder den Kollektivvertrag erhöhen? „Der wird jedes Jahr angehoben – und ist auch nur eine Absicherung nach unten“, antwortet er. Ab Mai steigt das Einkommen in der Hotellerie und Gastronomie in NÖ wieder. Das Grundgehalt für Angestellte mit abgeschlossener Berufsausbildung liegt dann bei 1.718 Euro, derzeit bei 1.678 Euro. Brutto, versteht sich.

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