Tourismus-Flaute bringt Millionenverluste. „Corona-Saison“ macht Melk zu schaffen. Die NÖN erkundigte sich bei verschiedenen Betrieben, wie es um den Tourismus 2020 steht.

Von Markus Glück und Denise Schweiger. Erstellt am 29. Juli 2020 (04:25)
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Knapp 79.000 Nächtigungen verzeichnete die Stadtgemeinde im abgelaufenen Jahr. Eine Zahl, die im Corona-Tourismusjahr 2020 nicht einmal im Ansatz erreicht werden wird. Rechnen Optimisten noch mit einem Rückgang von 50 Prozent, zeichnet sich bei einem Rundgang durch die ansonsten zu dieser Zeit von Touristen prall gefüllte Altstadt ein deutlich verheerenderes Bild.

Michael Ringsmuth betreibt mit dem Hotel Wachauerhof nicht nur eines der größten Hotels in der Stadtgemeinde, sondern mit der Firma Zwölfer Reisen auch den Bustransfer für Schifffahrtsgäste. Waren es 2019 noch knapp 1.200 Schiffsanlegungen, ist es aktuell maximal eine pro Tag. „Der Busbetrieb steht derzeit fast komplett. Wir haben maximal acht Schiffe pro Woche. Ich bin froh, dass wir noch unsere Linienbusfahrt haben“, betont Ringsmuth.

Etwas besser zeichnet sich das Bild im Hotelbetrieb. Unter der Woche liegt die durchschnittliche Auslastung bei 30 Prozent (2019: 70 Prozent), am Wochenende bei 50 Prozent (2019: 80 Prozent). „Der Umsatz liegt bei 50 Prozent des Vorjahres. Derzeit buchen zwar Österreicher, da muss aber das Wetter mitspielen.“ Beinahe komplett weggebrochen sind organisierte Bus-Tourismusfahrten. So checkte vergangene Woche zwar eine Reisegruppe aus Deutschland ein, der 50-Sitzer-Bus brachte aber nur 16 Touristen nach Melk.

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Über leer bleibende Plätze muss Mario Sassmann vom Melker Rathauskeller indes nicht mehr klagen. „Der Mai war sehr schlecht, da lagen wir umsatztechnisch etwa bei 40 Prozent. Ab Mitte Juni ging es bergauf, der Juli läuft wirklich super“, gibt der Wirt Einblick. Laut Sassmann nehmen in der „Corona-Saison“ schon verstärkt Österreicher im Melker Gasthof Platz, doch das „Publikum wird zusehends wieder internationaler“.

Auch wenn die Gäste aus dem Ausland laut Sassmann langsam wieder den Weg nach Melk finden: Für die zweite „Leopoldinger“-Filiale am Rathausplatz ist es zu spät. „Wir schließen mit Ende Oktober. Es war keine leichte Entscheidung, aber es macht keinen Sinn mehr“, berichtet Laura Tremmel. Dank „treuer Stammkunden“ habe sich das Geschäft im „Leopoldinger“-Stammhaus am Kirchenplatz wieder normalisiert.

Tourismuspakete: Bisher allesamt Flops

Um dem Tourismus in der Bezirkshauptstadt neue Akzente zu geben, investierte die Stadtgemeinde einen mittleren fünfstelligen Euro-Betrag in verschiedene Marketingmaßnahmen. Prunkstücke dabei sind verschiedene Tourismuspakete wie eine Radtour mit Olympiasiegerin Michaela Dorfmeister oder eine Stiftsführung samt anschließendem Meet&Greet mit Abt Georg Wilfinger und VP-Stadtchef Patrick Strobl. Bisher entpuppten sich die Pakete allerdings als Flop, alle bisherigen Termine mussten abgesagt werden. Für Ringsmuth kein Beinbruch: „Wir dürfen hier nicht aufgeben, die Umsetzung benötigt Zeit. Ich bin zuversichtlich, dass die nächsten Termine stattfinden werden.“

Ähnlich sieht es auch VP-Bürgermeister Patrick Strobl. Er betont, dass sich alle Beteiligten „voll für den Tourismus reinhauen“, die Wochenenden mittlerweile auch gut gebucht seien. „Natürlich sind wir nicht dort, wo wir normal sind. Die Pakete benötigen Zeit“, sagt Strobl. Besonders hart trifft der Rückgang der Touristen laut dem Bürgermeister die Innenstadt-Betriebe.