Unterhaltsame Operette in seiner besten Form. Bravo-Rufe und große Begeisterung für die mitreißende Premiere der Operette „Die Fledermaus“ in der Regie von Marcus Ganser zum 30. Jubiläum.

Von Leopold Kogler. Erstellt am 06. Oktober 2019 (15:17)

Wie berührend, packend und brillant in Szene gesetzte Unterhaltung doch sein kann, zeigte wieder einmal das Ensemble der Herbsttage Blindenmarkt. Die gefeierte Jubiläumsproduktion der Johann Strauß Operette „Die Fledermaus“, von Intendant Michael Garschall als die „Königin der Operette“ tituliert, fand am Freitag statt. Natürlich stellte sich die Frage wie man eine Geschichte erzählt, die jeder kennt, noch einmal ohne Langweile aufkommen zu lassen. Die am Höhepunkt der Goldenen Ära uraufgeführte komische Operette ist jedem geläufig. Die Geschichte sei hier trotzdem kurz angerissen. Einst hat Gabriel von Eisenstein im Zuge eines feuchtfröhlichen Maskenfests seinen Freund Dr. Falke dem öffentlichen Gespött ausgesetzt, denn er ließ ihn – prächtig kostümiert als Fledermaus – seinen Rausch auf einer Parkbank ausschlafen. Das kann Dr. Falke weder vergessen noch verzeihen, und so sinnt er auf finstere Rache: Er lockt Eisensteins Gemahlin Rosalinde und das Stubenmädel Adele auf den Ball des mondänen Prinzen Orlofsky, er verhindert, dass Eisenstein eine siebentägige Arreststrafe antritt, und sich stattdessen bei Orlofsky amüsiert.

Es entwickelt sich in der klugen Regie-Hand von Marcus Ganser ein Abend, an dem alles stimmt. Es ist eine Operetteninszenierung in seiner besten Form, ein spezieller Herzöffner. Die Musik, geliefert vom Kammerorchester Ybbsfeld sowie vom Herbsttage-Chor unter der Leitung von Kurt Dlouhy, der seit der ersten Produktion dabei ist,  die Ballettszenen und die eingestreuten politischen und gesellschaftlichen Anspielungen zünden in einer ausgetüftelten „Gefängnis“-Bühne, die immer wieder zum Wackeln gebracht wird. Jede Figur darf hier einen speziellen Charakter entfalten. Alexander Kaimbacher ist der köstlich agierende Gabriel von Eisenstein, Signe Heiberg verkörpert entzückend Rosalinde, ebenso Brigitte Simon ihre Rolle als Adele. Horst Lamnek präsentiert den Gefängnisdirektor Frank mit herausragender Komödiantik und Patricia Nolz brilliert als Prinz Orlofsky. Willi Narowetz, ein „Urgestein“ der Herbsttage, begeistert in seiner Lieblingsrolle als dauerbetrunkener Gefängniswärter Frosch. Mit der „Fledermaus“ feiern die Herbsttage wiederum einen veritablen Kassenschlager und bescheren sich selbst eine glanzvolle Perle zum 30-Jahr Jubiläum.