Erstellt am 18. Februar 2014, 07:29

Dagegen sein ist „in“. MELK, BEZIRK | „BürgerInnenForum Hiesberg“ sammelte über 3.000 Unterschriften gegen die vom Land geplante Zonenwidmung am Hiesberg. Gegen Windkraft sind sie aber nicht.

Ein Blick über die Stadt Melk auf die sieben von ECOwind geplanten Windkraftanlagen am Rücken des Hiesbergs. Sie könnten den Strombedarf von 14.000 Haushalten abdecken.  |  NOEN, Foto: Montage/ECOwind
Von Franz Gleiß

Die Begutachtungsfrist für den Zonenplan zum Ausbau der Windenergie in Niederösterreich ist am Freitag um Mitternacht zu Ende gegangen.
Das „BürgerInnenForum Lebensraum Hiesberg“ hat bis zu diesem Zeitpunkt 3.333 Unterschriften gegen die Zonenwidmung am Hiesberg gesammelt. Der Windpark stellt laut Aussendung des Forums einen zu massiven Eingriff in den Lebensraum dar. Zudem würde ein Windpark auch nachhaltig gesundheitliche Risiken mit sich bringen.

Beeindruckt vom Ergebnis zeigt sich Sprecher und Frontmann der Initiative, Karl Gruber. Bei insgesamt drei Veranstaltungen informierte er über die negativen Auswirkungen einer Windkraftzone. Kein Hehl machte er bei den Veranstaltungen von seinem Brotberuf: Er ist Beamter auf der Wasserrechtsabteilung der Bezirkshauptmannschaft.

„Karl Gruber wird in keiner Weise behördlich tätig werden“

Der parteiische Einsatz eines Beamten gegen eine Zonenwidmung stellt für Bezirkshauptmann Norbert Haselsteiner derzeit keinen Interessenskonflikt dar: „Grundsätzlich gibt es derzeit keine Verfahren im Zusammenhang mit dem Hiesberg. Ein Beamter darf seine Bürgerrechte wahrnehmen.“
Karl Gruber wird laut Bezirkshauptmann Haselsteiner in Zukunft in kein Verfahren in diesem Zusammenhang involviert – er gilt als befangen. „Karl Gruber wird in keiner Weise behördlich tätig werden“, versichert Haselsteiner.

Früchte trägt der Einsatz des leitenden Beamten der Bezirkshauptmannschaft in der Sache auf jeden Fall: Zustimmende Worte zur Windenergiezone sind inzwischen nur mehr unter vorgehaltener Hand zu hören.

Robert Wieser ortet hier Florianiprinzip

Bauernkammer-Obmann Robert Wieser nimmt sich hingegen kein Blatt vor den Mund. Als Betreiber einer Biogasanlage steht er erneuerbarer Energie offen gegenüber: „Windkraft ist von allen erneuerbaren Energieformen die kostengünstigste. Wir alle bekennen uns zur erneuerbaren Energie. Nur sehen will sie keiner in seinem eigenen Umfeld.“
Das Florianiprinzip wird hier aus seiner Sicht ein weiteres Mal strapaziert. Parallelen zieht er beim Thema Landschaftsbild zu einem anderen, typisch österreichischen Thema: „Wenn alle Landwirte in Österreich so denken würden, gäbe es kein Skifahren.“

Er fordert eine Diskussion, in der auch die positiven Seiten der Windkraft genannt werden dürfen. Schließlich hat sich das Land Niederösterreich im Energiefahrplan 2030 ein klares Ziel gesetzt: Niederösterreich soll ab dem Jahr 2015 mehr Strom aus erneuerbarer Energie im Land erzeugen, als verbraucht wird.
Derzeit steigen jedoch nach wie vor die Stromimporte aus dem Atomstromland Tschechien. Der NÖ-Wirtschaftspressedienst verweist hier auf die Jahresbilanz des Verbandes Europäischer Übertragungsnetzbetreiber: Der Import ist im Vorjahr um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr angewachsen.