Gegenwind für großen Solarpark in Kilb. Die geplante Photovoltaik-Anlage in Kilb stößt auf Unmut in der Bevölkerung. 673 Unterschriften gegen das Projekt wurden in den ersten acht Wochen gesammelt.

Von Michael Bouda. Erstellt am 05. Mai 2021 (05:51)
Bei der Unterschriftenübergabe am Kilber Gemeindeamt: Josef und Heidi Labenbacher, Gerhard und Josin Bock, ÖVP-Ortschef Manfred Roitner und Walter Wagner (von links). Foto: Michael Bouda
Michael Bouda

Elf Hektar, also rund 15 Fußballfelder, soll sie groß sein – die geplante Photovoltaik-Anlage in Schützen bei Kilb. 2023/24 soll sie errichtet werden, die NÖN berichtete:

Seit Beginn stößt das Großprojekt aber auf Widerstand aus der Bevölkerung. Und dieser Widerstand hat Form angenommen: Im Zentrum stehen dabei die Kilber Gerhard Bock, Josef Labenbacher, Walter Wagner und Andreas Karl-Barth.

„Wir sind wenige, die hier sitzen, dahinter stehen aber viele, die finden, dass das PV-Projekt in Schützen nicht der richtige Weg ist“, sagte Walter Wagner am vergangenen Freitagvormittag im Sitzungssaal des Kilber Gemeindeamts, wo die Initiatoren bei ÖVP-Bürgermeister Manfred Roitner vorsprachen.

Und dem Ortschef auch das vorläufige Ergebnis der ins Leben gerufenen Unterschriftenaktion überreichten: 673 Unterschriften von Menschen, die sich gegen den Kilber Solarpark aussprechen, hatte man in den ersten acht Wochen gesammelt – sowohl im Internet als auch bei Hausbesuchen. Über 500 stammen laut den Initiatoren dabei aus der Kleinregion samt Nachbargemeinden, 259 direkt aus Kilb – immerhin rund zehn Prozent der Einwohner der Marktgemeinde.

Die Gruppe betont dabei, für Sonnenstrom als erneuerbare Energie einzutreten. Und man habe auch bereits Privatpersonen gefunden, mit welchen man insgesamt Module mit 75 kWp installieren könnte. Auch mit einem Lebensmittelhändler aus dem Ort sei man in Kontakt, um auf dessen Parkplatz eine PV-Anlage zu errichten.

Landschaft durch große Fläche „verschandelt“

Die Initiatoren stoßen sich aber an der großflächigen Anlage, die in Schützen geplant ist. Sie kritisieren insbesondere, dass wertvolle Acker- und Weidefläche dafür verwendet werden würden und dass die Landschaft durch die große Fläche „verschandelt“ werden würde. Dabei beruft man sich auch auf den Zonenplan des Landes Niederösterreich, der derzeit erstellt wird, und darauf, dass dieser gerade verhindern solle, dass hochwertige Böden für PV-Anlagen verwendet werden.

Aus der zuständigen Landesabteilung heißt es auf NÖN-Anfrage, dass es für ein Projekt wie jenes in Schützen derzeit keine rechtliche Grundlage gebe. Abzuwarten sei der Zonenplan gemäß des neuen Raumordnungsgesetzes. Dieser werde bis Ende 2022 erstellt. Diesem könne man nicht vorgreifen, die Prioritäten des Landes würden aber auf minderwertigen Flächen wie Deponien, Parkplätzen oder Begleitstreifen neben Straßen und Bahn liegen, heißt es aus der Landesabteilung weiter.

Sollte die Fläche in Schützen im Zonenplan dennoch für PV-Anlagen ausgewiesen werden, so bedeutet dies keinen Freifahrtsschein: Die Gemeinde müsste die Fläche in weiterer Folge erst umwidmen. Bürgermeister Manfred Roitner hob hervor, dass er die Betroffenheit der Initiatoren verstehe, und dass die Gemeinde dem Projekt neutral gegenüberstehe: „Es gibt eine Firma, die das Projekt umsetzen will, und Grundeigentümer, die das auch wollen. Und es gibt Menschen, die dagegen sind. Wir werden eine vernünftige Lösung finden.“

„Derzeit sind uns die Hände gebunden“

Seitens des Kilber Unternehmens Ecowind, das das Projekt umsetzen will, verweist Geschäftsführer Hans Janker darauf, dass man den Zonenplan des Landes abwarten müsse: „Derzeit sind uns die Hände gebunden.“

Dass es Menschen gibt, die sich gegen das Vorhaben aussprechen, verstehe er, Janker betont aber, dass man bei der Standortwahl nach dem Leitfaden des Landes für die Errichtung von PV-Anlagen vorgegangen sei: Die Fläche in Schützen werden durch das Umspannwerk und die Freileitung bereits technisch genutzt und die Auswirkungen auf das Landschaftsbild würden sich – insbesondere für den Großteil der Kilber Bevölkerung – in Grenzen halten.

Janker glaubt auch, dass es viele Unterstützer in der Marktgemeinde gibt, die beispielsweise auch am Bürgerbeteiligungsprojekt interessiert wären. „Es gibt viele positive Stimmen, wir können aber noch nicht richtig aktiv werden“, verweist er auf die Corona-Pandemie, die die geplante Infoveranstaltung bisher verhindert hat, und die abzuwartende Zonierung des Landes.