„Die Opfer-Familien gehen fast leer aus“. MELK, BEZIRK | Für die Forderungen der Hinterbliebenen im „Fall Huber“ wird laut Anwalt Klaus Gimpl nur sehr wenig übrig bleiben.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 04. März 2014 (10:36)
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Das vom Pionierpanzer als Zugang für die Spezialeinheit Cobra aufgebrochene Loch im Haus von Alois Huber in Großpriel wurde mittlerweile wieder fachgerecht geschlossen.
Von Walter Fahrnberger

Insgesamt zwei Millionen Euro fordern die Hinterbliebenen der vier Opfer des Vierfachmörders Alois Huber (die NÖN berichtete). Das wurde bei der Konkurstagsatzung bekannt gegeben.
Tatsächlich werden die Entschädigungen für die Familien aber sehr gering ausfallen. Denn obwohl die genaue Schätzung von Hubers Anwesen in Großpriel noch aussteht, kann von einem Vermögen von maximal rund 500.000 Euro ausgegangen werden. Davon müssen nach Abzug der Verfahrenskosten sämtliche Gläubigerforderungen erfüllt werden. Der Melker Masseverwalter Johann Huber hat diese in der Höhe von 3,8 Mio. Euro anerkannt.

NOEN, Franz Weingartner - Fotograf A
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„Für alle zwölf Hinterbliebenen wurden 690.000 Euro der geforderten zwei Millionen Euro anerkannt“, erklärt der Ybbser Rechtsanwalt Klaus Gimpl, der eine Familie vertritt. Dieser Betrag wird auf insgesamt zwölf Hinterbliebene – die jeweiligen Ehegattinnen sowie die Kinder – aufgeteilt. „Im Durchschnitt sind das 57.500 Euro pro Betroffenen. Geht man nun davon aus, dass im bestmöglichen Fall eine 5%ige Insolvenzquote errechnet wird, würde jeder 2.875 Euro erhalten. Doch die Opfer-Familien werden letztendlich fast leer ausgehen“, vermutet Gimpl.

„Es werden alle Gläubiger quotenmäßig befriedigt“

Denn laut dem Ybbser Anwalt fordert die BVA (Versicherungsanstalt öffentlicher Bediensteter) bevorrechtet Auszahlungen für Hinterbliebenenleistungen (wie die Waisenpension für die Kinder der Ermordeten) in der Höhe von 490.000 Euro. „Das würde bedeuten, dass dieser Betrag in voller Höhe auszubezahlen wäre. Somit würde von den 500.000 Euro quasi nichts mehr übrig bleiben.“

Masseverwalter Johann Huber kann sich eine Bevorzugung der BVA allerdings nicht vorstellen: „Es werden alle Gläubiger quotenmäßig befriedigt“, ist Huber sicher. In jedem Fall bleibt aber für die Familien von den fiktiv errechneten Schadensersatzbeträgen von zwei Millionen Euro für „seelisches Schmerzensgeld“ und Begräbniskosten sehr wenig bis gar nichts übrig.
Die Familien der ermordeten Polizisten erhalten vom Staat jedoch einmalig 109.000 Euro. Das ist jener Betrag, der für jeden im Dienst zu Tode gekommenen Polizeibeamten ausbezahlt wird.