Im Südlichen Waldviertel fehlen die Zahnärzte. NÖN-Leserin wartet drei Monate auf Kontroll-Termin. Gründe für den Engpass haben unterschiedliche Wurzeln.

Von Christina Brandstetter. Erstellt am 19. November 2020 (07:03)
Symbolbild
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Den alljährlichen Kontrolltermin beim Zahnarzt scheut der eine oder andere Patient. Mancher möchte den Besuch so schnell wie möglich hinter sich bringen. Was aber, wenn man wochenlang auf einen Termin warten muss? Genau das berichtet der Redaktion eine Leserin. „Ich habe vor Kurzem bei der Ordination von Katharina Bayerl in Marbach angerufen und um einen Termin gebeten. Die Praxis ist aber so ausgelastet, dass ich erst im Februar drankomme“, ärgert sie sich.

Im Südlichen Waldviertel stehen sechs Zahnarztpraxen zur Verfügung. Bedenkt man die Bevölkerungsdichte in der Region, scheint es, als ob ausreichend Ärzte vorhanden sind. Die Corona-Pandemie sorgt aber für Termin-Stau: Viele Patienten verzichteten im ersten Lockdown auf eine zahnärztliche Behandlung. Diese aufgeschobenen Termine könnten nun nachgeholt werden. Das summiert sich dann auf und führe zu kurzzeitigen Engpässen in Ordinationen. Und in einigen Orten wird deshalb dringend nach Verstärkung gesucht.

NÖN-Grafik: Hammerl

Wie die NÖN berichtete, benötigt Persenbeug-Gottsdorf schon seit drei Jahren einen Bewerber für die Ordination des pensionierten Zahnarztes Günther Staudinger. Zusätzlich zu Klaus Kammerer soll die alte Ordination neu eröffnet werden. Die Praxis von Zahnmedizinerin Katharina Bayerl in Marbach möchte ihr Team ebenfalls ausbauen: Hier wird eine zahnärztliche Assistenz gesucht. „Eine Kollegin ging mit September in Karenz. Diese Stelle müsste jemand nachbesetzen,“ erzählt Katharina Bayerl.

Ordination bleibt nach Pension unbesetzt

Das Muster, dass Zahnärzte vermehrt am Land, statt in urbanen Regionen vermisst werden, zeichnet sich schon länger ab. Das bestätigt auch Bayerl. Dass nach Zahnarzt Gottfried Geyrhofer, der seine Ordination in Münichreith hatte, niemand nachkam, hat die Situation nicht gerade beruhigt, meint die Zahnärztin. „Ob Corona, oder nicht, bei uns ist immer viel los. Das wird in anderen Ordinationen nicht anders sein“, sagt sie. Für Notfälle würde im Terminkalender aber jede Woche Platz gehalten, um flexibel reagieren zu können.

Die Situation der Zahnmediziner ist aber nicht nur auf das Südliche Waldviertel beschränkt, sondern trifft die Branche im ganzen Land. Die NÖN bemühte sich in mehrmaligen Anfragen an die Zahnärztekammer um eine Stellungnahme zur aktuellen Situation im Waldviertel, leider blieb diese bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe aber aus.