Zu viel Wohnbau in der Stadt Melk?. Bis zum Jahr 2024 sind 13 neue Wohnbauprojekte in Melk geplant. Grüne fordern kontrollierte Ansiedlung mit Konzept.

Von Markus Glück. Erstellt am 07. April 2021 (04:34)

Werden in der Stadt Melk derzeit zu viele oder zu wenige Wohnungen gebaut? Diese Frage brachten zuletzt die Grünen aufs Tapet. Im Wahlkampf forderte Grünen-Stadträtin Bettina Schneck einen Masterplan für die Stadt und eine kontrollierte Ansiedlung mit Konzept. „Viele Wohnungen, die zuletzt gebaut wurden, sind meines Wissens leer. Mir gefällt es nicht, wenn überall neue Wohnanlagen entstehen und in bestehende Siedlungen reingebaut werden“, sagte Schneck vor wenigen Wochen zur NÖN. Stadtchef Patrick Strobl (ÖVP) reagierte prompt und widersprach den Grünen: „Die Menschen wollen nach Melk. Ich kenne keine hohen Leerstände.“

Doch wie sieht die Situation in der Realität aus?

Bis zum Jahr 2024 sind insgesamt 13 Wohnprojekte, darunter auch Betreutes und Junges Wohnen, in der Bezirkshauptstadt geplant. Fünf Projekte davon haben bereits gestartet. Dabei entstehen mehr als 410 Wohneinheiten. Bei einem Projekt der WETgruppe in der Wiener Straße/Hans Gansch Straße, welches im Juni 2022 starten soll, sind die Anzahl der Wohneinheiten noch offen.

Gleich ein ganzer neuer Stadtteil entsteht bis zum Herbst 2023 im Bereich des ehemaligen bischöflichen Seminars. Die Vorarbeiten seitens der Stadtgemeinde für die neue Zufahrt sind bereits abgeschlossen.

Gedesag schafft 134 neue Wohneinheiten

Nach der Fertigstellung hat der Wohnbauträger Gedesag 134 Wohneinheiten, darunter 22 Reihenhäuser, geschaffen. Ein Teil des Projektes hat bereits im Herbst 2019 begonnen. Bei der Gedesag ist Jürgen Kail mit dem Interesse zufrieden. So seien von insgesamt 16 Wohnungen und zwei Reihenhäusern nur mehr drei Wohnungen sowie ein Reihenhaus frei. „Aufgrund der aktuellen Lage bin ich zuversichtlich, dass auch die Vermarktung unserer zukünftigen Projekte wunschgemäß verlaufen wird“, betont Kail.

Der zweitgrößte Bauträger in der Bezirkshauptstadt Melk ist künftig die Waldviertel Siedlungsgenossenschaft (WAV). Im Bereich des Avawegs entstehen beim Projekt „Stiftsblick“ insgesamt 105 Wohneinheiten. Im Projekt enthalten sind auch zwölf Einfamilienhäuser sowie 33 Einheiten für Junges Wohnen. Auch bei der WAV betont Direktor Manfred Damberger das große Interesse: „Es gibt bereits zahlreiche Anmeldungen und das freut uns natürlich sehr.“

Bei der Vielzahl an neuen Projekten stellt sich auch die Frage nach den aktuellen Leerständen in der Stadt. Ein Blick auf die rund 600 Wohnungen der Alpenland in Melk zeigen tatsächlich einen höheren Bedarf nach Wohnungen in der Bezirkshauptstadt. Derzeit sind von den 600 Wohnungen nur vier Einheiten frei. Im Frühjahr ist daher in der Anselm-Schram-Gasse ein weiteres Wohnbauprojekt mit 54 geförderten Wohnungen geplant, wie Günther Ledl von der Alpenland erklärt: „Melk bietet zahlreiche Kultur-, Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten, zudem auch eine gute verkehrstechnische Anbindung. Wir sehen daher Melk als guten Standort mit Potenzial.“

Und wie beurteilt die Immobilienbranche den derzeitigen Bauboom in der Bezirkshauptstadt?

Wohnraumschaffung macht für Makler Sinn

Laut Remax-Immoblienmakler Martin Zehetner werden derzeit an die 40 Wohnungen auf Mietbasis angeboten, im Kaufbereich gibt es weniger als zehn Objekte auf dem Markt. „Der Markt ist im Moment sehr aktiv, der Preisdruck hat seinen Grund. Die Wohnraumschaffung in Melk macht daher aus meiner Sicht durchaus Sinn.“

Mit mehr als 410 Wohneinheiten bis 2024 muss aber auch die Infrastruktur mitwachsen. Und genau hier haken abermals die Melker Grünen ein. Bereits vor Jahren forderte der damalige Stadtrat Walter Schneck einen Masterplan für die Stadtentwicklung, diesen forderten die Grünen auch im Wahlkampf.

Für Neo-Stadträtin Heidi Niederer ist klar, dass mit den neuen Wohnungen auch eine barrierefreie Bewegungsmöglichkeit und ein Betreuungsangebot für die Familien geschaffen werden muss. „Bei den Entwicklungen muss auch auf die Mitgestaltung des Radfahrens geachtet werden“, mahnt sie. Sie appelliert auch, nicht immer alles neu zu bauen, sondern auch bereits Vorhandenes auszubauen.