Hausübung und Alltagstrott: Ybbser Schülerin berichtet. Corona stellt Schulwesen auf den Kopf. Schülerin Merita Margegaj erzählt, wie es ihr geht.

Von Christina Brandstetter. Erstellt am 20. Januar 2021 (05:28)
Merita Margegaj aus Ybbs ist 16 Jahre alt und besucht die HAK in Ybbs. Sie versucht, sich vom Distance Learning nicht frustrieren zu lassen.
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Um sieben Uhr steht Merita Margegaj auf, klappt ihren Laptop auf und setzt sich an ihren Schreibtisch in ihrem Schlafzimmer – dieser Platz ist Margegajs Büro geworden. Dann checkt die Schülerin, ob in der Nacht neue Arbeitsaufträge geschickt worden sind. Den ganzen Tag wird dann dem Stundenplan gefolgt: E-Mails checken, an Videokonferenzen teilnehmen, Arbeitsaufträge erfüllen, kurz mal weg vom Bildschirm: Kaffeepause.

Der damals allemal stigmatisierte Unterricht zu Hause wurde von den verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet. Die lautesten Stimmen in der Diskussion sind hier vielleicht nicht die authentischsten.

Hat schon einmal jemand die Schüler selbst gefragt, wie es ihnen im Distance Learning geht, und dabei ihre Wünsche, Anliegen und Strapazen ins Licht gerückt? Merita Margegaj ist 16 Jahre alt und besucht derzeit die Handelsakademie in Ybbs. Der NÖN erzählte die Schülerin vom tatsächlichen Alltag und ihren persönlichen Ansichten zur vorherrschenden Situation.

„Es geht beim Homeschooling oft nur noch darum, ständig etwas zu leisten. Ich plane immer auch Zeit für mich selbst ein.“ Merita Margegaj, Schülerin der HAK in Ybbs

„Als wir vom ersten Lockdown hörten, haben wir uns zuerst alle gefreut. Ich kann für alle Schüler sprechen, wenn ich sage, dass wir auf diese neue Erfahrung gespannt waren“, schildert die Ybbserin die Stimmung im März 2020. „Das ist heute nicht mehr ganz so“, sagt sie jetzt, fast ein Jahr später.

Die 16-Jährige ist nun bereits in der dritten Schulstufe der HAK angelangt. Jetzt könne sie sich ihren zweiten Schwerpunkt aussuchen, erklärt Margegaj. Neben Spanisch entschied sich die Schülerin für Controlling. Dabei lernt sie über die Steuerung eines Unternehmens – ein sehr komplexes Thema, das den Schülern dieser Zeit digital beigebracht werden muss.

Margegaj bezeichnet sich selbst als „gute Schülerin“: „Ich habe eigentlich immer gute Noten und engagiere mich gerne in diversen Projekten.“ Das normale Schulleben wird aufgrund der Coronakrise nun verändert. Manchmal gibt es Videokonferenzen, die zur Mitarbeit anregen. „In Rechnungswesen zeigen wir auf, wenn wir Beispiele gelöst haben und besprechen die Aufgaben. In anderen Fächern hören wir aber nur zu, wie der Lehrer spricht“, erzählt sie.

Herausforderungen des Distance Learnings

Dass Konzentration und Aufmerksamkeit gefordert sind, ist klar. Die Internetverbindung ist allerdings ebenso wesentlich – wenn nicht sogar Voraussetzung für den Unterricht. Ab und an gebe es Probleme mit dem W-Lan, aber das kläre sich in den meisten Fällen schnell auf, meint sie. Auch die notwendigen Ressourcen sind vorhanden.

Margegaj hat einen eigenen Laptop und einen ruhigen Platz zum Arbeiten. „Das ist in unserer Klasse bei allen so“, erzählt die Schülerin. Sobald der Stundenplan einmal abgehakt ist, wird mit dem Nacharbeiten angefangen, denn Hausübungen und Lernen sind, wie auch vor der Pandemie, nicht für die Kernzeit vorgesehen.

Margegaj betont: „Manchmal geht es sich aus, einen Arbeitsauftrag innerhalb der Schulstunde zu erledigen. Es gibt Ausnahmen, da werde ich nicht so schnell fertig.“ Die Ybbserin sei aber erleichtert, dass ihre Schule ein gutes Netz bietet. Sie beschreibt den HAK-Schulleiter Christoph Maurer als modern: „Er gibt sich Mühe und macht alles richtig.“

Trotz allem fühlt sich die Jugendliche gestresst und belastet. Sie erzählt: „Die Kommunikation fehlt einfach. Meine Freunde und ich machen zwar manchmal Videokonferenzen, aber es ist nicht dasselbe. Wenn ich eine Maske tragen muss, um wieder in der Schule zu sein, dann passt das für mich.“ Demnach kann sie es kaum noch erwarten, wieder in die Schule zu dürfen.

Work-Life-Balance auch für Schüler wichtig

Es ist gewiss noch unsicher, wie die Situation mit dem Coronavirus weitergehen wird. Das betrifft dann auch die Lage der Schülerschaft. Für die Zukunft wünscht sich Margegaj: „Ich habe manchmal das Gefühl, jeder vergisst, dass wir uns in einer Pandemie befinden. Es geht beim Homeschooling oft nur noch darum, ständig etwas zu leisten. Ich will aber was erleben und frei sein. Deshalb plane ich immer auch Zeit für mich selbst ein, damit ich nicht ständig am Arbeiten bin. Das ist wichtig.“

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