Drittes Todesopfer im LKH Melk. Alle drei Patienten hatten massive Grunderkrankungen. NÖN erhielt Einblick in den außerordentlichen Arbeitsalltag im Spital.

Von Markus Glück und Denise Schweiger. Erstellt am 22. März 2020 (17:47)
LKH Melk
Markus Glück

Ende Februar gab die NÖ Gesundheitsagentur bekannt, dass alle Coronavirus-Patienten aus Niederösterreich im Landesklinikum Melk versorgt und stationiert werden. Seit damals liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren, die komplette Station 5 mit 20 Betten wurde für den Notfall vorbereitet.
Der Ernstfall trat dann Mitte März ein. Befanden sich zum Beginn der vergangenen Woche sieben Patienten auf der Corona-Station, sind es bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe bereits 35 Personen. Durch das erhöhte Patientenaufkommen musste die Klinkenholding auch die, seit Sommer 2016 leer stehende Station 3 öffnen. „Nach wie vor stehen zwei Isolierstationen zur Verfügung, bei Bedarf gibt es noch Erweiterungsmöglichkeiten“, betont Bernhard Jany von der Landesgesundheitsagentur.

Vergangenen Mittwoch musste Jany dann auch den ersten niederösterreichischen Corona-Toten im Melker Klinikum verkünden. Ein 76-jähriger Patient mit einer massiven Grunderkrankung verstarb. Zwei Tage später vermeldete die Landeskliniken-Holding mit einer 96-jährigen Frau das zweite Todesopfer in Melk. Die Frau war laut Jany verunfallt und erkrankt. Dann sei auch noch der positive Covid-19-Test gefolgt. Die Patientin wurde erst am Mittwoch im Krankenhaus aufgenommen.

Am Sonntag vermeldete die Holding mit dem Tod eines 82-jährigen Mannes, ebenso mit einer massiven Grunderkrankung, das dritte Todesopfer.
Aufgrund der erhöhten Patientenaufkommen ist das Melker Klinikum seit Freitag nicht mehr das einzige Schwerpunktkrankenhaus für Corona-Patienten in Niederösterreich. Neben Melk stehen derzeit Lilienfeld und Neunkirchen für Covid-19-Patienten zur Verfügung, bei Bedarf sollen Hollabrunn und Waidhofen an der Thaya hinzukommen.

Bernhard Jany von der Landesgesundheitsagentur hat aber auch gute Nachrichten im Kampf gegen den Coronavirus: „Es ist gelungen, bereits fünf Patienten aus dem Krankenhaus wieder in die Heimquarantäne zu entlassen.“

Patienten-Eingang über den Wäschetrakt

Selbst in einem Krankenhaus, wo hygienische Vorsichtsmaßnahmen ohnehin täglich zur Anwendung kommen, sorgt die Coronakrise für den Ausnahmebetrieb.

Jany gibt der NÖN Einblick in die „Corona-Stationen“ 3 und 5, die derzeit als Isolierstationen in Melker Spital geführt werden. Kommt ein positiv getesteter Patient ins LKH Melk, darf dieser nicht durch den Haupteingang ins Gebäude gelangen. Das geschieht über den ehemaligen Eingang des Krankenhauses, den aktuellen Wäschetrakt. „Damit wird eine Trennung von infizierten und nicht infizierten Patienten sichergestellt“, erläutert Jany.

Die Patienten werden dort durch den Rettungsdienst an das medizinische Personal übergeben. Dieses ist mit einer speziellen Schutzausrüstung ausgestattet: Hauben, Brillen, Handschuhe, Kittel, Masken. „Auf der Isolierstation übernehmen die Fachärzte und die Pflege die fachgerechte Behandlung“, erzählt Jany weiter. Und die variiert von Corona-Patient zu Corona-Patient. „Die Risikogruppe sind häufig multimorbide Personen, also Menschen, die von vielen Erkrankungen gleichzeitig betroffen sind. Deshalb wird in der Behandlung auf jeden Einzelnen spezifisch eingegangen“, informiert der Leiter der Kommunikationsabteilung der Holding.

„Die Risikogruppe sind häufig multimorbide Personen, die von vielen Erkrankungen betroffen sind.“Bernhard Jany, NÖ Landesgesundheitsagentur

Während des Aufenthalts auf den Isolierstationen gilt ebenso wie im gesamten Klinikenbereich das generelle Besuchsverbot. „Den Vorgaben der Bundesregierung entsprechend und zum Schutz der Bevölkerung müssen wir das Besuchsverbot auf alle – insbesondere auf die Angehörigen der Corona-Patienten – anwenden“, berichtet Jany.

Einen positiven Corona-Test gab es am Donnerstag im Krankenhaus Mauer bei Amstetten. Eine Patientin ist an Covid-19 erkrankt und wurde in das Krankenhaus Melk transferiert, bestätigte Jany. Etwa 20 Mitarbeiter des LKH Mauer wurden außer Dienst gestellt. Jany verwies darauf, dass alle Maßnahmen „unverzüglich eingeleitet“ wurden. Die Patienten der betroffenen Station wurden entweder intern im Landesklinikum verlegt oder in häusliche Pflege entlassen. „Die betroffene Aufnahmestation muss momentan ihre Kapazitäten reduzieren“, betont der Sprecher.